Good morning Vietnam

Nach der langen Zeit in China waren wir froh, endlich in ein touristisch erschlosseneres Land zu kommen. Somit freuten wir uns auf Ho Chi Min City (Saigon) und natürlich auch auf Vietnam. Gleich zu Beginn unsere Ankunft wurden wir dann aber schon über den Tisch gezogen. Nach den guten Erfahrungen in China waren wir nun zu gutgläubig, wenn nicht zu sogar naiv. Erstmal wurde uns am Flughafen eine Simkarte verkauft, welche kein Guthaben mehr drauf hatte und der Taxifahrer verlangte auch noch den dreifachen Preis vom üblichen. Welcome to Vietnam! Aber egal, es war zum Glück sehr günstig. In der City angekommen, musste zuerst einmal das Hostel gesucht werden, da dies mitten im Backpacker – Area war, wo keine Autos durchfahren dürfen/können. Nach längerer Suche durch die verwinkelten Gassen fanden wir schliesslich mit Hilfe von Einheimischen unser Hotel und wurden sehr herzlich empfangen von der Gastgeberin, welche unseren schlechten Start wieder wettmachte. Sogleich folgte aber der Rückschlag: Ich hatte das falsche Datum im Hostel gebucht (1 Tag später) und natürlich war es ausverkauft. Kein Problem - die Gastgeberin half uns und "Ruckzuck" waren wir in einem anderen Hostel, welches sogar noch 1/3 günstiger war und gleich in der Nähe.

In Saigon verbrachten wir die ersten Tage ein wenig mit Sightseeing und herumlaufen. Uns hat die Stadt auf Anhieb gefallen, da es eine sehr lebendige Stadt ist mit vielen Touristen. In China hatten wir dies ein wenig vermisst. Saigon wurde nach dem Krieg in Ho Chi Min City unbenannt, zu Ehren vom ersten Präsidenten namens Ho Chi Min. Er ist der Übervater vom modernen Vietnam und geniesst in der Bevölkerung ein heldenhaftes Ansehen, vergleichbar mit dem König von Thailand. Er hat den Krieg gegen die Amerika angeführt, leider aber hat er den Sieg über die Amerikaner nicht erlebt, da er 1969 gestorben ist. Saigon ist eine moderne, asiatische Metropole mit 10-14 Millionen Einwohnern. So genau konnte uns das niemand sagen. Auf den Strassen dominieren die Motorbikes, da sich ein Auto niemand leisten kann (steuerliche Gründe). Der Verkehr war für uns eine grosse Umstellung. In China musst du deine Lücke suchen, danach warten bis die nächste Lücke frei wird und so weiter. In Vietnam ist das alles fliessend. Man darf nicht stehenbleiben sondern immer in Bewegung bleiben, sonst verwirrt das die Fahrer und es kommt zu Unfällen. Aber grundsätzlich fahren sie sehr vorsichtig und vor allem vorausschauend. Im Grossen und Ganzen sehr sicher.

Eine Tour zu den Chu Chi Tunnels darf in Saigon natürlich auch nicht fehlen. Die Chu Chi Tunnels sind der Inbegriff vom Wiederstand gegen die Amerikaner während dem Vietnamkrieg. Gleich wie die Schweizer Bunker in die Berge graben, gruben die Vietnamesischen Widerstandskämpfer Tunnels, in welchen sie sich vor den Aggressoren versteckten. In diesen Tunnels waren sie mehr oder weniger sicher. Alles wurde so eng gebaut, dass kein Burger-King-verwöhnter Amerikaner reinkam. Die Tunnels selber kann man nicht begehen, abgesehen von einem 50 Meter langen Tunnelstück. Die Ausstellungsorte sind alle oberirdisch und man wird schnell durchgeschleust. Auch gibt es einen Stand, wo für ein üppiges Entgelt mit verschiedenen Waffen geschossen werden kann. Als AdA (aD)  ist das eher alter Kaffee und wenig interessant, vor allem da der Pamir hier nicht bekannt ist! Alles in allem ein Must See, aber nicht wirklich gut gemacht, um sich ein Bild machen zu können. Da hat uns das Kriegsopfermuseum mit vielen Bildern mehr beeindruckt und auch Geschichte vermittelt.

Am 30. Oktober ging es weiter ins Mekong Delta für zwei Tage (1 Nacht). Die Tour ist auch ein Must See und hat uns sehr gefallen. Es ist eine lange Anfahrt von 4 Stunden, daher würden wir allen zukünftigen Vietnambesuchern auch 2 Tage empfehlen. Die Landschaft ist beeindruckend und auch die Lebensweise der Menschen. Wir haben verschiedene Produktionsstätten gesehen; von Reisnudeln, Coconut-Candy bis hin zur Honigfarmen. Auch die Lebensweise der Bewohner auf dem Delta ist interessant zu sehen, wie sie auf Blechhütten auf dem Fluss leben. Die Nacht verbrachten wir in einem Homestay. Diese Art der Übernachtung ist sehr beliebt in Vietnam und sollte ursprünglich die Touristen mit der lokalen Bevölkerung in Kontakt bringen. Mit originalen Homestay haben die heutigen Übernachtungen in Vietnam aber nichts mehr zu tun. Man könnte es eher als familiengeführte Hotels bezeichnen auf dem Niveau einer Jugendherberge. Sie sind günstig und auch die Zimmer sind meist akzeptabel. Wir haben immer gute Erfahrungen gemacht. Das Abendessen bestand aus selbstgemachten Frühlingsrollen (warm & kalt). Dies war eines unserer besten Nachtessen in Vietnam. Ist wahrscheinlich auch am Reiswein gelegen, welcher in Strömen floss. Wir haben auf der Tour Anthony, einen Exilvietnamesen, der mit seiner Freundin in Australien lebt, kennengelernt und einen sehr lustigen Abend verbracht. Conny hat sich noch in einen Babydog verliebt und wollte ihn am liebsten mitnehmen. Sie hat sich gegen Mitternacht verabschiedet Richtung Bett und ich habe noch ein / zwei Bier mit Anthony getrunken. Der Morgen danach war für uns beide entsprechend bescheiden. Aber lustig war es allemal.

Am zweiten Tag ging es noch auf den obligatorischen Floating Market. Hier werden Gemüse und Früchte gehandelt, welche im Mekong Delta angebaut werden. Auf den verschiedenen Schiffen wurde auch das Gemüse gleich gerüstet und küchenfertig gemacht. Der Abfall vom Gemüse wird dabei gleich im Fluss entsorgt, da es sich ja auch um keinen schädlichen Abfall handelt, wie der Guide mehrfach laut betonte. Der Fluss dient aber allgemein der Abfallentsorgung für alle Bewohner an seinem Ufer. Es ist eine grosse Kloake und schwimmen ist nicht zu empfehlen. Aber an dem sind nicht nur die Vietnamesen schuld, da er in Nepal entspringt und runter durch ganz Südostasien fliesst