Individualität in Vietnam? Fehlanzeige!

 

Wir waren beide froh, dass wir weitergehen konnten aus Mui Ne in die Highlands von Vietnam. Eigentlich war der Plan mit Easyridern von Mui Ne nach Da Lat zu fahren. Dies hätte 4 Tage gedauert (inkl. ganze Umgebung). Die Easyrider sind Motorradfahrer, welche Touristen auf dem Sozius mitnehmen (inkl. Gepäck) und das „wahre/echte“ Vietnam zeigen. Sie sind vorwiegend in Zentralvietnam zu finden. Mir waren aber 4 Tage (3 Nächte) zu viel. Einerseits kostete es 75 Dollar pro Tag und ich hatte auch nicht Lust vier Tage auf einem Töff zu sitzen.

Jedenfalls fing hier schon ein für Vietnam typisches Problem an: Wenn du vom Plan abweichst oder nicht nach „Schema F“ vorgehst bringst du das ganze System zum Erliegen. In Vietnam läuft alles nach vorgegeben Standards, sowohl bei den vielen Touren, wie auch zum Beispiel beim Check Out im Hotel.  Will ich 4 Dollar Bar bezahlen und der Rest mit Kreditkarte bricht der Hotelbetrieb für eine kurze Zeit zusammen und die Chefs müssen telefonisch erfragt werden. Auch bei den Touren sind alle genau gleich. Das Programm und der Transport ist bei jeder Tour identisch egal ob Mekong Delta, Halong Bay oder sonst was. Das einzige was gewählt werden kann ist die Unterkunft. Wo sie aber extrem grosse Flexibilität an den Tag legen ist beim Preis. Der kann für das genau gleiche um ein vielfaches höher sein. Hier lohnt es sich bei verschiedenen Reisebüros anzufragen und zu feilschen. Das positive ist, sie lächeln dir wenigstens freundlich ins Gesicht wenn Sie dich Abzocken.

 

Bei den Easyridern zeigte sich das so, dass sie nicht imstande waren eine Individuelle Tour zusammenzustellen obwohl wir mit zwei privaten Fahrern unterwegs waren und nicht in einer Gruppe. Es war nicht möglich innerhalb von 3 Tagen von Mui Ne nach Da Lat zu fahren inkl. des Hochlands (wäre im Nachhinein kein Problem gewesen). Somit mussten wir zuerst denn Bus nehmen um nach Da Lat zukommen und dort die dreitägige Tour antreten. Eigentlich wollte ich maximal 2 Tage machen, aber dem Frieden zuliebe habe ich mich dann auf 3 Tage eingelassen. Was man nicht alles macht für die Liebe…J

 

Nach der Ankunft in Da Lat besichtigten wir noch eine wenig die Stadt. Es wird auch als kleines Paris bezeichnet, da es viel Einfluss von Frankreich hatte. Architektonisch ist es durchaus eine Abwechslung gegenüber dem was wir bisher gesehen hatten. Auch der Verkehr war nicht so extrem wie unten an der Küste. Das Klima ist eher kühl am Abend (22 Grad) und am Tag gleich heiss wie am Strand. Ein wenig Tibet in Vietnam. Am nächsten Morgen wurden wir pünktlich von Jack und Hang vor dem Hotel erwartet. Sie waren zwei typische Vietnamesen und uns auch gleich Sympathisch. Unser Gepäck wurde auf den Töff geschnallt und somit konnte es schon losgehen. Zuerst erkundeten wir die Umgebung von Da Lat, welche sehr bekannt ist für den Gemüseanbau und die Blumen. Auch haben wir nur hier Gewächshäuser gesehen und industriell bewirtschaftete Landwirtschaftsfläche. Weiter ging es zu einer Kaffeeplantage, welche den Wiesel-Kaffee anbietet. Dies ist eben dieser Scheisskaffee, welcher von Wildkatzen gegessen wird und ausgeschissen. Geschmacklich haben wir keinen Unterschied gemerkt, aber er war trotzdem gut für das, dass er Scheisse ist. Um etwa 18 Uhr kamen wir dann endlich bei unserem Hotel an wo unsere Hintern die Wohlverdiente Pause hatten. Schon hier habe ich mich verflucht, dass ich nicht standhaft auf 2 Tage beharrt habe.

 

Am nächsten Morgen haben wir eine Elefantentour gemacht, welche natürlich separat bezahlt werden musste. Aber es hat sich gelohnt. Speziell war das Überqueren des Sees. Wir hatten Glück einen Bullen zu haben welcher Grossgewachsen war. So wurden unsere Füsse nicht nass. Die hinter uns hatten eine Elefantendame, welche knapp aus dem Wasser herausschaute…! Leider war es dann wieder Zeit um auf die Mopeds zu steigen und die Gegend abzufahren. Die Landschaft war sehr schön und auch nicht zu vergleichen mit dem Rest von Vietnam. Es hat sehr viele Kaffeeplantagen und sonstige Anbauflächen vor allem für Früchte. Auch haben wir hier noch die grossen Wasserfälle von Vietnam gesehen. Sind mit dem Rheinfall vergleichbar und auch sehr eindrücklich. Am Nachmittag wurde es neben dem schon wehtuenden Hintern dann nochmals so richtig Heiss mit 35 Grad. Ohhh Gott war ich froh wenn endlich morgen Abend war! Aber wie geschrieben, die Landschaft und die Orte die wir gesehen haben waren sehr schön. Der letzte Tag war dann noch ein Retourfahren nach Da Lat. Hier war die Umgebung am eindrücklichsten und auch sehr abwechslungsreich. Jack und Hang haben einen super Job gemacht und uns das Hochland näher gebracht. Empfehlen würde ich es dennoch nicht  (übrigens auch Conny), ausser man ist ein Motorradfreak dann ist es das Paradies. Die Hitze war nicht mal das Problem für das hat man denn Fahrtwind welcher angenehm kühlt. Aber für den Hintern und den Rücken sind 10 Stunden auf dem Sozius nichts…! Perfekt wäre nachträglich für uns gewesen einen Tag zu machen mit Da Lat und Umgebung. Dies würden wir auch allen zukünftigen Reisenden empfehlen.

 

Nach Ankunft im Hotel haben wir uns noch verabschiedet und sind die Reiseplanung durchgegangen, da sich für Conny die Chance aufgetan hat mich zu verlassen und nach Thailand zu gehen. Zudem waren Philip und Nicole auf dem Weg Richtung Da Nang (Mui Ne) und so wurde nichts aus einem zusätzlichen Tag in Da Lat für Canyoning. Der Flug von Da Lat nach Da Nang war zu teuer für unser Budget, so entschieden wir uns 7 Stunden nach Saigon zu fahren mit dem Bus und von dort denn Flieger nach Da Nang zu nehmen. Ich weiss es ist kompliziert und Zeitaufwendig… aber who carres?! We have time and no money! Thats Backpackerlife!

 

6 Uhr war Tagwache und Aufbruch Richtung Busstation um mit dem Car nach Saigon zu kommen. Die Fahrt in diesen Sleeperbusen ist sehr relaxt und man kommt relativ erholt am Zielort an. Von Saigon City mussten wir noch rasch das Uber nehmen zum Flughafen. Uber ist übrigens das beste Mittel um vorwärts zu kommen in Saigon und Hanoi, da es fast nichts kostet und man nicht abgezockt wird... eher umgekehrt. Von Da Nang nach Hoi An, wo wir uns mit Philip und Nicole verabredeten waren es nochmals eine Stunde. Somit verbrachten wir morgens von 6 Uhr bis abends um 21 Uhr denn Tag mit Reisen, für eine Strecke die eigentlich nur 200 KM ist. Denn Abend verbrachten wir dann in guter Gesellschaft mit Nicole und Philip. Um ca. Mitternacht war dann auch Bett Zeit da alles zugemacht hatte und wir doch schon in einem Alter sind wo man sich nicht mehr masslos betrinkt.

 

Dies kam uns auch am nächsten Morgen zugute und wir machten uns mit Velos auf in die Altstadt von Mui Ne. Dies ist glaube ich auch ein Weltkulturerbe der UNESCO und wirklich einmalig. Es ist etwas was überhaupt nicht nach Vietnam passt. Es ist touristisch sehr überlaufen aber auch extrem schön und stimmungsvoll. Mui Ne ist bekannt für die vielen Schneider. Alle 10 Meter kann man sich aus dem Katalog ein Anzug, Hemd oder auch Abendkleid Massschneidern lassen für wenig Geld. Von dem machten auch alle gebrauch ausser ich, da ich sowieso Arbeitslos bin. Was ich aber gerne gekauft hätte war eine Ledertasche die echt geil war… aber eben, was will ich mit der ohne Job?! In der Altstadt können noch einige kleine Museen besichtigt werden, welche einen grossen Einfluss von China haben. Am Nachmittag haben wir uns aufgemacht um am Strand noch ein paar Bier zu trinken und Philips Füsse nach 4 Jahren Meerabstinenz das Meerwasser zu zeigen. Nachdem der Vollmond aufgegangen war, machten wir uns auf den Rückweg zur Altstadt welche ab 18 Uhr komplett Auto und Scotterfrei ist. Dies ist glaube ich mit das schönste an Mui Ne: die Stille! Die Beleuchtung und die vielen Geschäfte machen Mui Ne zu einem unserer  schönsten Erlebnisse von Vietnam trotz der vielen Touristen. Es ist einfach nur gemütlich und schön. Dieser Abend endete ein wenig später als der vorhergehende, weswegen auch das Frühstück auf 11 Uhr verschoben wurde am nächsten Tag.

 

Nach dem Frühstück ging es zur Anprobe der neuen Kleider beim Schneider. Alle hatten was Schönes gefunden und die letzten Änderungen wurden notiert. Die Kleider wurden am Abend dann direkt ins Hotel geliefert. Somit war Zeit für ein Apéro mit einer Flasche Weisswein aus Da Lat, welcher wirklich gut schmeckte. Etwas fruchtig aber für Vietnam sehr gut. Denn Rest des Tages verbrachten wir noch mit Museen und beim Shoping, bevor wir uns dann trennten (Männer und Frauen) und noch weiter gingen. Am Ende aber trafen wir uns alle wieder in der "Tiger Bar" zum Leidwesen von Philip, welcher eigentlich nach Hause wollte, da der Flieger um 6 Uhr ging. Dass es so an diesem Abend noch später wurde ist denn Frauen anzulasten. Aber zum Glück konnten wir ausschlafen, da unser Flieger nach Hanoi erst um 12 Uhr ging. Die anderen mussten nach 3 Stunden Schlaf wieder raus! Hier nachmals ein herzliches Dankeschön, dass ihr uns besucht habt! Wir haben es sehr genossen die Tage!!