Chinesen on Tour

 

Die Fahrt zum Einkaufszentrum dauerte ca. 2 Stunden. Bei Ankunft waren wir erstmal erschlagen von der Hitze. Zum Glück waren die Shops alle angenehm runtergekühlt und so trennten wir uns und jeder ging auf Schnäppchenjagd. Ich wurde relativ schnell fündig und nach ca. 3 Stunden hatte ich meinen Einkauf abgeschlossen. Gesamtschaden betrug nicht mal 500 CHF für doch sehr viele neue Kleider. Endlich hatte ich wieder was anständiges anzuziehen. Auch Conny hat für ihre Verhältnisse relativ schnell ihre sieben Sachen beisammen gehabt. Somit konnte planmässig um 15 Uhr weitergefahren werden. Wir rechneten mit sechs Stunden Fahrt. Die Fahrt entschädigte uns aber für alles! Es war ein traumhaftes Wetter und noch die spektakulärere Aussicht. Wir machten uns über Lake Tahoe Richtung Gardnerville, wo wir unser Nachtessen genossen. Es war ein richtig verschlafenes amerikanisches Kaff wie es im Buche steht. Aber noch richtig altertümlich wie man sich Amerika vorstellt: Eine schöne Mainstreet mit vielen gepflegten Geschäften links und rechts. Auch das Restaurant war sehr gut, wenn nicht schon eines der besten in Amerika was wir gesehen haben. Für 25 Dollar / Person gab es einen 5 Gänger. Keine Speisekarte… es wird gegessen was es gibt. Leider konnten wir hier nicht bleiben, da wir noch zwei Stunden zu fahren hatten. Somit sind wir gegen 23 Uhr im Hotel angekommen und auch gleich ins Bett. Eigentlich hatten wir dieses Hotel gewählt, da es nur ca. 1-2 Stunden vom Yosemite Nationalpark entfernt ist… aber eben, der Pass war noch zugeschneit und es konnte sich nur noch um Tage handeln bis er aufgeht. Für uns aber zu lange. Da wir zwei Tage gebucht haben entschieden wir uns in der Gegend zu wandern. Was wir nicht wussten, war, dass noch im Wintersaisonbetrieb war. Somit hatte es viele Wintersportler und auch die Wanderwege oberhalb von 2000 Meter waren alle zugeschneit oder matschig. Wir beschränkten uns somit auf die Wege, welche Schneefrei waren. Das Wetter war perfekt zum Wandern und mit 23 Grad auch schön warm. Wir waren nicht böse, dass wir nun hier gestrandet waren. Es gefiel uns extrem gut und erinnerte uns stark an die Schweiz.

 

Am 22. Juni brachen wir wieder Richtung Norden auf um wieder auf die andere Seite zu kommen. Unterwegs machten wir noch in einer der grössten Geisterstädte von Westamerika halt: Bodie Town. Eine Goldgäberstadt, welche 1939 ganz aufgegeben wurde und nun ein grosses Freilichtmuseum ist. Auch einen Besuch wert bei der Durchreise. Die Gebäude sind sehr gut erhalten und werden auch dezent gepflegt von den Rangern. Es gibt zudem viel über die Geschichte und einzelnen Häuser zu erfahren. Alles in allem gut gemacht/erhalten und gibt einen Einblick in diese Zeit und vor allem wie hart es damals war.

 

Da wir in Zeitdruck waren mussten wir auch bald wieder weiter. Diesmal entschieden wir uns für einen anderen Pass, welcher noch mit Schnee bedeckt war aber dennoch schon befahrbar. Vorbei an Militärbasen, Schneemauern und wunderschönen Landschaften, schaften wir es gegen 14 Uhr in den Yosemite Nationalpark. Einerseits gibt es dort den höchsten Wasserfall von Nordamerika zu betrachten und ein wunderschönes Tal. Obwohl, so wunderschön war das Tal auch wieder nicht. Es glich eher einem grossen „Drive Thru“. Unglaublich wie viele Autos sich durch das Tal quälten. Es machte ein wenig die schöne Stimmung der Natur kaputt. Aber ja Amerika ist berühmt für die grossräumige Mobilität, daher gehört es dazu.  Am Eingang von jedem Nationalpark sind 20-30 Dollar zu entrichten. Erst zu spät entdeckten wir, dass ein Annual Pass für 80 Dollar einiges günstiger gewesen wäre im Nachhinein. Im Park selber gibt es auch viele Übernachtungsmöglichkeiten, vornehm Camper, welche aber schon Monate im Voraus ausgebucht sind. Somit auch hier frühzeitig seinen Platz reservieren. Amerika ist kein Platz für spontane Reisen mit dem Camper.

 

Nach einem kurzen Besuch der Wasserfälle machten wir uns auf zum Glacier Point. Einer der spektakulärsten Aussichtspunkte unserer Reise. Man sieht das Tal und die Berge. Da wie meist das Wetter mitspielte, hatten wir Premium Plätze. Wir verbrachten eine Zeit lang oben auf der Aussichtsplattform, bevor wir uns wieder raus aus dem Park machten Richtung Fresno.

 

Ja ihr lest richtig: Rasch alles anschauen, Fotos machen und weiter geht die Fahrt. Keine Zeit zum Wandern oder sonstige Dinge… Schnell muss alles gehen, da die Zeit zu knapp und die Sehenswürdigkeiten zahlreich sind. Um 22 Uhr erreichten wir Fresno. Durch unsere perfekte Planung, fuhren wir direkt zu einer Laundry. Zwei Maschinen wurden in gang gesetzt und gleich weiter Richtung Tankstelle um den unstillbaren Durst des Autos zu stillen. Da Amerika ein fortschrittliches Land ist, welches der Zeit weit voraus ist, benötigen die hiesigen Waschmaschinen läppische 21 Minuten um die Kleider zu „reinigen“! Good save America! Somit waren wir kurz vor dem Programende wieder in der Laundry um die Wäsche in den Trockner zu bugsieren. Das dauert hingegen etwas länger, da man Nasse Wäsche entgegen der Waschmaschine nicht in so kurzer Zeit trockenen konnte… ist auch kein Wunder bei einem chinesischen Trockner!!! Somit hatten wir 33 Minuten Zeit, welche wir im fünf Minuten entfernten „In and Out“ (Fast Food Kette) verbrachten um uns einen Burger zu gönnen. Da es nicht Mc Donalds war, sind wir leicht verspätet, sprich nach Programende in der Laundry angekommen. Die Kleider waren aber noch verdammt heiss, was uns dann doch ein wenig das Gefühl von Sauberkeit vermittelte (thermische Desinfektion). Somit waren wir noch vor Mitternacht im Hotel, welches gleich neben einer Universität lag. Es wurde sehr grossen Wert auf die Einhaltung des Rauchverbots gelegt, was auch durch Unterschrift bestätigt werden musste. Dass im Zimmer der Rauchmelder mit einem Plastiksack abgedeckt waren und es extrem nach Rauch schmeckte verwunderte uns dann umso mehr. Naja das ist wohl üblich im Land der Gegensätze.

 

Der Morgen begann mit einem gratis kontinentalen Frühstück. Die Betonung ist auf Gratis, denn mehr wert hatte es auch nicht. Aber für amerikanische Verhältnisse ist es wohl Durchschnitt. Leider habe ich kein Foto gemacht. Jedenfalls gab es Kaffee a la Papa Joe`s, Plastikbesteck und Plastikteller. Dazu Toastbrot und verschiedene sonstige Dinge welche ich hier nicht aufführen möchte. Auch der Service beschränkte sich auf das aufbauen und abräumen vom „Buffet“. Die Tische und der Boden sahen entsprechend aus…J

 

Nach dem herzhaften Frühstück machten wir uns auf in den Sequoia Nationalpark. Der Park, wo die Mammutbäume zuhause sind. Unter anderem auch der grösste der Welt (je nach Messart). Die Fahrt dorthin war auch wieder ein Traum vorbei an schönen Landschaften und Wäldern. Wir wussten, dass Amerika schöne Landschaften hat, aber so schön hätten wir nicht gedacht und vor allem so weit. Schon während der Fahrt dorthin fielen uns die immer grösser werdenden Bäume auf. Angekommen am Ziel war natürlich wieder ein Gedränge von vielen Autos, wie es wir uns schon von gestern gewohnt waren. Zum Glück ergatterten wir uns gleich einen freiwerdenden Parkplatz und machten uns auf zum grössten Baum der Welt, der General Sherman Tree. Auch hier kamen wir nicht aus dem Staunen raus. Die Bäume waren einfach so gross! Nicht bloss einer sondern sehr viele. Wenn man bedenkt wie alt die sind und was die wohl schon alles gesehen haben… einfach unglaublich. Hier machten wir eine zweistündige Wanderung. Der Vorteil ist zum allgemeinen Gedränge, sobald man 3 Minuten vom Hauptereignis weggeht, hat es fast keine Menschen mehr. Die die man trifft sind dann andere Touristen, vornehm aus Europa aber sicher keine Amerikaner. Dennoch ziehen sich Amerikaner an, als würden sie einen Halbmarathon bestreiten um auch nur 500 Meter zu gehen. Echt witzig und lustig zu beobachten. Wie auch immer war die kurze Wanderung auch sehr eindrücklich und wir kamen an vielen grossen Bäumen vorbei. Zum Glück sind diese Bäume innen hohl und nicht wirklich zu gebrauchen für Brenn- oder Bauholz, sonst wäre das wohl der Nachwelt nicht erhalten geblieben.

 

Da wir ein dicht gedrängtes Programm hatten, mussten wir wieder weiter nach drei Stunden. Es ging rauf zu einem Aussichtspunkt, welcher auch eine spektakuläre Aussicht bot. Natürlich konnte man mit dem Auto hinfahren bis zu einem gewissen Punkt und danach ging es nur noch zu Fuss weiter und 700 Stufen aufwärts. Aber mit der Aussicht wurde man mehr als belohnt. Wie schon geschrieben war auch hier die Zeit bald abgelaufen und wir mussten weiter, da wir noch weiter ins Death Valley wollten.