Ankunft im klimatischen Paradies

Frühmorgens machten wir uns auf um zum Flughafen in Boracay zu kommen. Von dort ging es mit dem Flieger nach Manila wo wir 6 Stunden Aufenthalt hatten. Die verbrachten wir in der Businesslounge in welche wir dank der Kreditkarte gratis Zutritt hatten. Auch hier genossen wir wieder Frühstück und die üblichen Gratisgetränke. Im Nachhinein war die Kreditkarte eine Anschaffung die sich sehr auszahlte trotz der 250.—Jahresgebühr und wir auch allen Weltreisenden Empfehlen aus folgenden Gründen: Gratis abheben von Bargeld, dies war schon oft der Fall, da normale Debitkarten nicht erkannt oder akzeptiert wurden. Die VISA hingegen immer funktionierte und auch der Umrechnungskurs identisch ist mit der Debitkarte. Zweitens ein Chashback von 1 Prozent, was sich mit der Zeit summiert. Drittens ist es vorallem jetzt in NZ oder auch AUS der Ausschluss des Selbstbehaltes (CWD) von Mietwagen, was sonst sehr viel Geld kosten würde. Als viertes wäre noch die Anulationsversicherung welche wir aber schon anderweitig haben. Ach ja und fast vergessen denn Zugang zu den Lounges auf den Flughäfen. Zwei Eintritte pro Kalenderjahr sind gratis für die übrigen bezahlt man 35 CHF pro Eintritt.

 

Nach dem kurzen Werbeunterbruch für die Kreditkarte ging es mit dem Flieger nach Kuala Lumpur weiter. Dort war nur ein kurzer Aufenthalt von zwei Stunden. Ausserdem wollten wir noch Wasser kaufen für den Flug, da wir mit Air Asia X flogen und somit gar nichts bekamen auf unserem 10 Stunden Flug. Aber siehe da, es gibt tatsächlich noch Flughäfen auf dieser Welt, welche kein Wasser verkaufen in Flaschen, sondern nur im 2,5dl Becher! Ich denke dies geschieht in enger Kooperation vom Air Asia X welche ihren Hub dort hat und somit sein Boardverkauf ankurbeln will. Da Cornelia wie ein Kamel Wasser benötigt, waren wir gezwungen an Board Wasser zu kaufen. Da wir weder Malaysische, Australische noch Neuseeländische Währung hatten, blieb uns nichts anderes übrig als mit der Kreditkarte zu zahlen, deren Mindestbetrag bei ca. 8 CHF lag. Somit kauften wir 10 x 0.5 Liter Wasserflaschen. Genug für den Flug… dachten wir zumindest. Die Sandwiches für die Verpflegung an Board haben wir uns schon in Cebu gekauft und im Handgepäck mitgenommen… so clever waren wir. Natürlich war das konsumieren von „Fremden“-Essen nicht gestattet und so assen wir gedeckt-getarnt in gekrümmter Haltung unsere Sandwiches. Wenigstens hier konnten wir das System überlisten aber es schlug beim Wasser mit voller Härte zurück: Der Flieger machte einen Zwischenstopp an der Gold Coast (AUS). Hier mussten alle das Flugzeug verlassen. Ausgefuxt wie wir sind, verstauten wir zwei Flaschen in unserem Handgepäck und zwei unter dem Sitz gut versteckt um zumindest noch was zum Trinken zu haben für die übrigen vier Stunden. Aus dem Flieger raus mussten wir nicht durch die Passkontrolle, aber direkt zum Sicherheitscheck um wieder ans Gate zu kommen. Natürlich wurden da unsere zwei Flaschen gleich konfisziert. Scheisse minus zwei Flaschen -  bleiben noch zwei übrig. Am Gate wurde gleich wieder gebordet und wir konnten wieder zurück ins Flugzeug auf unsere angestammten Plätze und siehe da, natürlich wurden unsere Flaschen entdeckt und waren nicht mehr da! Ein zweites Mal wollten wir aber nicht nochmals 5 Liter Wasser kaufen und so dursteten wir die letzten vier Stunden… vor allem Conny.

 

In Auckland gelandet erwartet uns schon sonniges Wetter und ein kühler Wind. Genau meine Komfortzone. Conny zog sich noch eine Schicht Kleider mehr an. Das Auto wurde in Empfang genommen (eine kleine Reisschüssel) am Flughafen und somit gings gleich ab zur Unterkunft für die nächsten zwei Nächte in einem Vorort von Auckland. Das Fahren war sehr gewöhnungsbedürftig, zumal ich seit mehr als fünf Monaten nicht mehr selber gefahren bin und dann auch noch Linksverkehr, aber man gewöhnte sich schnell daran. Nur im Stress betätige ich noch manchmal den Scheibenwischer anstelle des Blinkers. In der Unterkunft wurden wir freundlich begrüsst und bezogen unser Zimmer. Da die Unterkünfte in Auckland alle über 100 CHF / Nacht unser Budget überstiegen, wichen wir auf AirBnB aus, was nicht unwesentlich günstiger war aber dennoch einigermassen im Budget wenn wir uns auf die Vororte der Städte / Dörfer beschränkten. Da wir erst um 21 Uhr uns auf die Suche nach Essen machten in Auckland-Aglo, war natürlich nicht mehr viel mit "Küche offen", ausser einem Chinesen an der Ecke. Aber nach denn Philippinen sind die Ansprüche ans Essen nicht mehr so hoch und auch Chinesisch hatten wir schon lange nicht mehr. Somit eine Willkommene Abwechslung und zudem sehr gut! Beim Preis mussten wir dann beide etwas leer schlucken, da es doch 40 NZ-Dollar kostete, was ca. 30 CHF sind. Grundsätzlich günstig für Neuseeland, aber nach so langer Zeit in Südostasien sollte es uns noch ein paarmal schlecht werden ab den Preisen.

 

Die ersten Tage verbrachten wir im Norden der Nordinsel. Es war wie ein heimkommen in die Schweiz. Ich habe mich auf den ersten Blick in Neuseeland verliebt. Die Natur und das englische Flair war genau das was ich nach fünf Monaten in Asien so genoss. Auch war es super ein eigenes Auto zu haben und überall einfach hinzufahren wo man wollte. Die Sehenswürdigkeiten abzuklappern und dabei unabhängig zu sein. Ursprünglich wollten wir uns einen Camper mieten um Neuseeland typisch entdecken zu können. Durch unsere kurzfristige Planung, waren die Preise für einen Basic Camper (Van, Grundausstattung) nur noch für mindestens 3000 CHF / Monat zu haben. Ein normaler Camper mit ein wenig Komfort gab es ab 7000 CHF im Monat. Solche Preise konnten wir uns nicht leisten und beschränkten uns auf den günstigsten Mietwagen im Angebot einen Mazda Demino für 850 CHF / Monat. Für einen Monat ist das wohl auch die beste Variante wenn man nicht zu viel ausgeben will. Wer länger reist, dem empfehlen wir einen Camper zu kaufen, oder schon Jahre im Voraus zu buchen. Allgemein liefen die ersten paar Tage unsere Ausgaben aus dem Ruder, weswegen wir anfingen unsere Ausgaben aufzuschreiben. Relativ schnell musste unsere Art zu Reisen komplett umgestaltet werden und das auf allen Ebenen. Nichts mehr mit auswärts essen, Zimmer nur für uns, Kaffee zwischendurch, Aktivitäten a gogo! Das schöne, verschwenderische Leben war vorbei. Wir sind bei den Backpackern angekommen. Aber relativ schnell haben wir uns auf die neuen Gegebenheiten eingestellt und kamen auch mit dem Budget wieder ins Lot. Mittlerweile haben wir oder zumindest ich eine komplett neue Art des Reisens (Budgetkonform) entdeckt und finde es sogar super.

Auf der Nordinsel gingen wir nach Auckland erstmal runter zu Hobbiton. Das Dorf in dem ein kleiner 12 Minütiger Teil von Herr der Ringe gedreht wurde. Via Internet konnte man die Zeit wählen, an welcher wir die Tour haben möchten für 63.—CHF pro Person und natürlich auch gleich bezahlen. Es ist sein Geld wert, auch wenn wir uns noch nicht ganz vom Preisschock erholt haben. Das Dorf hat sehr viele Details und ist extrem schön aufgebaut. Vor allem war das Wetter noch auf unserer Seite, was es nochmals schöner machte. Alles in allem eine Must See, für Leute die den Film gesehen haben. Auch die Tour ist gut gemacht und man hat genug Zeit um sich alles anzusehen und am Schluss gibt es sogar noch ein Bier im Dragons Tavern.

Als Zweites war Rotarua auf unserem Plan. Ein kleines Dorf, welches viele Gasiere und Vulkane hat. Hier machten wir einen Ausflug zu den Aktiven Gaisieren und eine Tageswanderung entlang eines Flusses wo wir am Ende mit dem Wassertaxi wieder zum Anfang gebracht wurden. Dies war auch die Hauptaktivität warum wir nach Neuseeland gekommen sind: um zu wandern und wir wurden nicht enttäuscht. Die Wanderwege sind perfekt ausgebaut vom DOC (Quasi das Naturamt) und auch gut beschildert. Auch findet man in jedem noch so kleinen Dorf eine Touristeninformation, welche einem gerne behilflich ist bei der Planung. Für mich war es schön, endlich mal angenehmes Klima zu haben wo man auch was machen konnte in der Natur. Bei 35 Grad durch den Dschungel zu wandern ist nicht so mein Ding. Hier aber herrschte das perfekte Wetter für Wanderungen und auch die Landschaft ist ein Traum. Okay, das Wetter war nicht so perfekt. So haben wir denn schlechtesten Sommer seit Jahrzehnten erwischt welcher Neuseeland momentan hat. Aber bis jetzt konnten wir unsere Topwanderungen immer Trocken zu Ende bringen.

Wer auf der Nordinsel ist, muss natürlich auch den Tongariro Alpine Crossing machen. Dies ist eine Tageswanderung über knapp 20 Kilometer, vorbei an zwei mehr oder wenig aktiven Vulkanen. Zuerst mussten wir das Auto am Ende der Wanderung parkieren, von wo wir mit Bussen für 20 NZ Dollar zum Startpunkt gefahren wurden. Zu Beginn war es noch sehr Sonnig und angenehm warm. Die Strecke geht am Anfang relativ gemächlich zwischen den Vulkanen hindurch, bevor es dann steil bergauf geht. Alleine waren wir auch nicht auf der Wanderung. Es sah ein wenig wie ein Flüchtlingsstrom aus im Fernsehen. Alle Arten von Menschen, in allen erdenklichen Kleidern. Gewisse mit kurzen Hosen, T-Shirt und Turnschuhen. Andere perfekt in Wandermontur. Alles war dabei. Wir waren im Nachhinein Perfekt ausgerüstet mit Kappe, Schaal und Handschuhen. Da das Wetter oben am Kamm wechselte und der Wind stärker wurde, sank auch das Thermometer auf 0 Grad. Wir hatten Winter im Sommer. Jetzt können wir den Daheimgebliebenen nachfühlen. Vorbei an Schneestellen ging es immer weiter nach oben. Immer wieder ein kleiner Stopp, aber die Kälte lies einem nicht lange verschnaufen. Langsam zogen auch Wolken auf und es war nicht mehr viel zu sehen vom Vordermann. Wie geht es jetzt denn T-Shirt Trägern fragten wir uns?! Selbst uns, wo wir doch voll eingehüllt waren, war es zu kalt. Teilweise zog es wieder auf und man hatte einen schönen Ausblick auf die verschiedenen Kraterseen und Gipfel, was es auch Mystisch machte. Wir fühlten uns wieder 4 Monate zurückversetzt auf den Mount Everest, sowohl Landschaftlich wie auch Temperaturmässig. Als wir wieder unter die Wolkendecke kamen beim Absteigen wurde die Aussicht auch wieder besser und wir waren froh dem Wind entkommen zu sein. Der Letzte Drittel ging dann nur noch Abwärts, was extrem in die Beine ging und auch der anstrengendste Teil war für mich. Beim Auto angekommen waren wir froh die Heizung anzustellen und raus aus den Schuhen zu kommen. Man hat das gestunken im Auto!!! Zurück im Hostel gab es dann auch erst eine warme Dusche und ein gutes Stück Fleisch. Ja wir essen nicht mehr auswärts es wird nur noch zuhause im Hostel gekocht, dies ist in Neuseeland einiges besser und vor allem viel günstiger. Okay, richtiges Kochen ist es nicht. Es gibt immer ein Gemüse, vornehm Broccoli, Lauch oder Zucchetti, da dies preislich im Rahmen liegt. Beim Fleisch sind wir sehr beschränkt auf Filet oder wenn es Angus Beef hat im Sonderangebot auch mal ein gutes Rib Eye! Bisher wurden wir nicht enttäuscht und wir geniessen das sehr. Als Wein gibt’s meist einen guten Tropfen Merlot vom 3Liter Kartonkanister. So haben wir uns dennoch ein bisschen Luxus bewahrt unter all den Backpackern, welche von Thunfisch und Mais aus der Büchse leben müssen. Zum Morgenessen gibt es Rührei, Toast, Gonfi, Nutella für Conny und Instantkaffee. Wir können behaupten, dass wir besser essen als je zuvor und das selber Kochen macht auch noch Spass und bringt einem immer wieder mit anderen Gästen in Kontakt (auch ein Grund warum mit diese Art zu Reisen besser gefällt). Allgemein sind die Neuseeländer extrem Offen gegenüber Fremden. Man wird viel angesprochen und gefragt woher man kommt. Auch wurden wir schon auf eine Spritztour mit dem Boot eingeladen oder nach dem Beerfestival an eine Homeparty. Alles sehr unkompliziert. Die Kiwis sind auch sehr freundlich und aufgestellt. Jeder lächelt (trotz des miesen Wetters) und ist vordergründig jedenfalls positiv eingestellt. Natürlich waren das die Leute in anderen Ländern auch, aber nur solange Sie Geld mit einem verdienen konnten…;-)