Yangtzekreuzfahrt

Am Morgen des 18ten Oktober war es wieder soweit und wir machten uns auf in eine neue/alte Provinz von China. Pünktlich um 9 Uhr wurden wir abgeholt vom Hotel und Richtung Flughafen in Lhasa gefahren. Der Flughafen liegt etwa eine Stunde ausserhalb, da es der einzige Ort ist, wo es möglich war einen Flughafen zu bauen (Untergrund und Berge). Die einzige internationale Verbindung ist nach Katmandu (Nepal) und der Rest sind alles Ziele innerhalb von China die angeflogen werden. Von Katmandu ist es auch relativ einfach nach Tibet zu kommen, da man nur ein Tibet Visum braucht und kein chinesisches. Somit reisen die meisten Touristen auch von dort aus an. Zudem, welcher Normalurlauber mit „nur“ 5 Wochen Ferien nimmt diese lange Anreisezeit von Peking auf sich wie wir das taten?!


 

Der Flug nach Chongquing dauerte etwas mehr als zwei Stunden. Chongquing ist für die meisten Reisenden der Einstiegsort für die Yangtze-Kreuzfahrt. Die Stadt selber ist aber durchaus auch ein Besuch wert (weiter vorher im Blog beschrieben). Neben dem, dass es mit 35 Mio. Einwohner die grösste Stadt der Welt ist (!!!), bietet es eine super Skyline, welche sich nicht vor New York verstecken muss. Im Gegenteil, durch das, dass die Hochhäuser als grosse Leinwände genutzt werden, leuchtet es in der Nacht in allen Farben und Formen. Eigentlich schade, dass sie nicht bekannt ist - diese Stadt hätte es verdient. Also sehr zu empfehlen!

 

Am Flughafen gelandet, musste zuerst die Simkarte von mir wieder freigeschaltet werden um Daten nutzen zu können. Da wir nur etwa 5 Stunden Aufenthalt in Chongquing hatten, bis wir auf dem Schiff borden mussten, entschieden wir uns direkt zum Pier zu fahren. Das Schiff war schnell gefunden (President Nr. 6) und somit waren wir schnell an Bord. Gebucht war ein normales Standardzimmer, welches wir dann aber für 1000 Yuan gegen eine Suite umgetauscht haben. Nobel geht die Welt zugrunde! Aber es hat sich gelohnt, wir können dies nur weiterempfehlen! Neben der Suite haben wir auch das „Food-Paket“ dazu gebucht, damit wir nicht mit all den Chinesen im grossen Speisesaal essen mussten, sondern genehm im Diningroom oben auf Deck 6.  (genau so wurde uns dies verkauft von dem chinesischen Personal - auf die schlechten Essensmanieren wurde mehrmals hingewiesen). Hier waren wenigstens alle Getränke inklusive (auch Bier und Wein!). Auch das ist zu empfehlen.

 

Da wir erst um 22 Uhr ablegten, machten wir uns noch auf in die Stadt, um für die Fahrt einzukaufen und um zu essen. Im Carrefour mussten wir noch Zahnpasta und Nutella einkaufen für Cornelia, als uns plötzlich zwei Westler ansprachen…. Kaum zu glauben, in der grössten Stadt der Welt, zwischen Kosmetikartikel und lebenden Fischen treffen wir Freunde von Cornelia: Urs und Salome, welche auch auf Weltreise sind! was für ein Zufall!!! Die klein die Welt doch ist! Natürlich gingen wir danach noch auf ein Bier und eine Pizza in Pizza-Hut, wie es sich gehört für „Westler“.

 

Am Abend um 22.30 Uhr legte unser Schiff ab flussabwärts in Richtung Shanghai. Auf dem Balkon mit einem Glas Wein genossen wir die beleuchteten Wolkenkratzer und die beeindruckende Skyline von Chongquing.

 

Am nächsten Morgen liessen wir sowohl das Frühstück, wie auch die Exkursion aus, da wir endlich wiedermal ausschlafen wollten. Wie auf jedem Kreuzfahrtschiff ist für Unterhaltung (Karaoke, Videos, Wettbewerbe, Tanzeinlagen etc.) gesorgt, damit keine Langweile aufkommt. Pro Tag gibt es immer zwei Ausflüge an Land, von welchen nur der Ausflug am Nachmittag inkl. ist. Der Ausflug am Morgen muss separat bezahlt werden (recht teuer: ca. 50 Dollar/Pers.). Der Yangtzeriver ist der längste Fluss in China und (so glaube ich) der fünftlängste der Welt. Durch die Drei-Schluchten-Staudamm - auch besser bekannt als The Three Gorges Dam - wurde das Wasser um 170 Meter angehoben auf dem Yangtzeriver. Es ist das grösste Wasserkraftwerk der Welt mit 18,2 Gigawatt Power und soll den Energiehunger der Chinesen stillen. Der Damm wurde 2006 fertiggestellt und gilt als ein kleines Weltwunder der Ingenieurskunst. Millionen von Menschen mussten umgesiedelt werden (natürlich freiwillig) und Städte neu gebaut werden für dieses Projekt. Auch hat anscheinend die Faszination Yangtzeriver eingebüsst, da der höhere Wasserstand viele Sehenswürdigkeiten und Schluchten verschluckt hat. Wie es früher ausgesehen hat können wir nur erahnen, aber die Landschaft war auch so sehr beeindruckend.

 

Das Abendessen wurde wie erwähnt auf Deck 6 eingenommen. Es war das Kapitäns Welcomedinner. Leider war mit das nicht ganz klar, weswegen ich mich mit meiner Garderobe ein wenig underdressed gefühlt habe. Natürlich gab es auch eine Kapitänsansprache  und die Vorstellung des Schiffskaders. Alles wie auf einem richtigen Kreuzfahrtschiff. Allgemein waren wir positiv überrascht vom ganzen Schiff. Es musste sich überhaupt nicht von den westlichen Schiffen verstecken in punkto Sauberkeit, Zustand, Service, Angebot und Essen! So ein Luxus war ich mit nach 6 Wochen China schon gar nicht mehr gewohnt. Auch die öffentlichen WCs entsprachen in punkto Sauberkeit dem Westen. Es hatte sogar Seife und WC-Papier… ein totales Novum und USP auf unserer Chinareise! Zudem rotzte niemand auf den Boden der Chinesen: eine wenig „Schweiz“ inmitten von China.

Die gesamte Fahrt dauerte 3 Nächte und zwei volle Tage. Wir haben sehr nette Amerikaner und Kanadier kennengelernt und eine amüsante Zeit mit ihnen verbracht. Zum eindrücklichsten der Fahrt zählte der Ausflug in ein Seitental des Yangtze. Mit kleineren Schiffen fuhren wir ca. eine Stunde in einen Seitenarm und danach mit noch kleineren Booten weiter. Hier lebten die Leute früher von der Landwirtschaft, welche aber nun überflutet ist und somit kutschieren sie wie in Venedig die Touristen durch ihr ehemaliges Tal. Heute leben sie hoch oben auf den Felsen dieser Täler. Diese sind nur erreichbar über den Fluss & per Fussweg (keine Strassen). Nachdem diese Männer mit unserem Bootsausflug ihre Arbeit getan haben, hatten sie also noch ca. 1-2h Heimweg zu Fuss (!!) vor sich.  Ob es ihnen nun besser geht als zuvor ist schwierig zu beurteilen....wohl eher nicht.
In der letzten Nacht wurden wir um 1 Uhr geweckt, damit wir zuschauen konnten, wie unser Kreuzfahrschiff den Staudamm passiert. Es gab 5 lange Schleusen, in welchen mehrere Schiffe Platz haben. In jeder Schleuse werden die Schiffe innert kürzester Zeit ca. 20-30m gesenkt bzw. angehoben, je nach Richtung. Schleuse für Schleuse bis man dann über 100m tiefer ist und auf der  anderen Seite des Staudamms. Wir haben den Prozess der ersten Schleuse miterleben können. Diese Grösse und Schnelligkeit - sehr eindrücklich!

Am letzten Tag/Morgen  besichtigten wir den Staudamm, welcher leider durch den Nebel nur mässig zu sehen war. Auch wegen den Massen an Chinesen, welche sich überall vordrängten und keine Rücksicht auf irgendwas nahmen, war es leider ein eher enttäuschender Ausflug. Die Dimensionen dieses Dammes wären eigentlich sehr eindrücklich und imposant.

Guilin und Yangshou

 

Vom Damm aus ging es mit dem Taxidienst direkt zum Bahnhof und von dort mit dem Schnellzug nach Wuhan. In Wuhan nahmen wir denn Flieger Richtung Guilin wo wir um 9 Uhr abends landeten. Abgeholt von Smiley fuhren wir zu unserem Hotel und früh ins Bett. Guilin hat eine wunderschöne Landschaft. Es ist eines der Hauptreiseziele der Chinesen und der westlichen Touristen. Wer eine Rundreise in China bucht, landet nach der Yangtzerivertour in Guilin. Die Landschaft war Kulisse im Film Avatar, somit sollte klar sein warum es eine solche (berechtigte) Anziehung hat. Unser Hotel war ein wenig ausserhalb der Stadt und schön gelegen in einem Dorf umgeben von Felsen. Da ich die Deluxe-Variante für 50 CHF/Nacht gebucht hatte, gab es ein grosses Bad auf dem Balkon mit schöner Aussicht auf die Landschaft.

 

Am Morgen ging es mit Smiley und dem Driver auf Besichtigung von Guilin und Umgebung. Mit uns hatte sie kein einfaches Los, da wir echt weder die Lust noch die Energie hatten heute was anzusehen. Aber ja wir hatten bezahlt und somit rafften wir uns halbherzig auf und versuchten aufmerksam ihren Erklärungen zu folgen. Zuerst ging es mit der Seilbahn auf einen Berg rauf, von wo man einen schönen Überblick über Guilin hat (sofern der Dunst nicht gewesen wäre). Danach ging es in die Stadt zu einem Felsen, der ein Loch in der Mitte hatte. Mit viel Phantasie (und 3 Promille intus) stellt es einen Elefanten dar, welcher aus dem Fluss trinkt. Okay, 15 CHF Eintritt für das ist schon eher happig, da wäre der Zoo besser investiert gewesen. Aber ja, die Chinesen schlagen aus allem Kapital. Nach dem wirklich sehr guten Mittagessen (Buffet) ging es auf zu der Red Fluet Cave, eine Tropfsteinhöhle in der Nähe unseres Hotels. Dies war dann doch noch ein Highlight zum Abschluss. Durch Jahrtausende entstand eine  grosse Höhle, welche mit LEDs sehr schön ausgeleuchtet wurde. Auch hier interpretierten die Chinesen wieder jegliche Formen und Dinge hinein, die es zu erraten galt. Schade waren hier die Masse an chinesischen Touristen, welche die Gegebenheiten nicht in Ruhe geniessen konnten. Aber das sind wir uns ja langsam gewohnt und würden eher erschrecken wenn es anders wäre. Dies war so der einzige Höhepunkt neben dem wirklich guten Abendessen und dem Vollbad am Abend auf unserer privaten Terrasse. Aus dem vorhergehenden Text soll nicht geschlossen werden, dass Guilin kein Besuch wert ist, im Gegenteil, es lohnt sich in jedem Fall (wir waren nur nicht gerade motiviert).

 

Der nächste Morgen beinhaltete eine fünfstündige Flussfahrt nach Yangshou mit einem kleinen Schiff. Dies gehört ebenfalls zum Pflichtprogramm. Auf dem Boot hat man die Möglichkeit die Landschaft in Ruhe zu geniessen. Hier kommt übrigens auch das Motiv für 20er Yuan Note her - zu Recht. Smiley war auch heute dabei und versuchte erfolglos uns über die Entstehung der Landschaft aufzuklären. Nach dem Motto sie gab und hatte Mühe. Zum Glück gibt es mittlerweile Wikipedia und so konnten wir unsere Wissenslücke füllen.

 

In Yangshou angekommen, muss jeder Bootstourist 500m an Verkaufsständen vorbei, welche sich im Abstand von 5 Ständen immer wiederholten. Die Schiffe fahren dann leer wieder flussaufwärts, um für den nächsten Ansturm gerüstet zu sein. Den Rest des Nachmittags hatten wir zur freien Verfügung, also machten wir uns nach Bezug des Hotels auf in den Dorfkern, welche vor unserer Haustüre lag. Es ist ein kleines, rein touristisches Dorf (Dorf für chinesische Verhältnisse), welches überlaufen ist von Touristen. Bis jetzt haben wir noch nie so viele Touristen auf einem Haufen gesehen wie hier. Auch die westlichen Touristen bildeten hier ca. unglaubliche 40%. Somit fühlten wir uns schon ein wenig wie in den Ferien/Thailand. Viele Bars und Cafés zierten das Dorf. Es gab sogar eine deutsche Strasse mit Hofbräu Häusern und deutschen Angestellten (sagt glaube ich alles). Aber nach 6 Wochen China findet man das eine richtig gute Abwechslung, weswegen ich mir gleich ein Bier gönnte. Am Abend geht die Partysause auf der West-Strasse erst richtig los. Die Strassen sind dichtgedrängt und die Bars locken mit Livemusik, welche sich gegenseitig zu übertönen versuchen. Trotz diesem grossen Auflauf an Touristen sind die Bars und Restaurants erstaunlich leer. Wie die Geld verdienen wissen wir nicht. Mehr Angestellte als zahlende Gäste ist in der Schweiz kaum finanzierbar. Fürs Abendessen wollten wir uns nochmals die volle Dröhnung China geben und gingen in ein Grossraumrestaurant, das voller Chinesen war und keinen Charme hatte. Einfach nochmal erleben, was uns auf der Weiterreise nicht fehlen wird… (ausser das Essen).

Am nächsten Tag ging es auf eine Velotour mit Smiley. Obwohl sie in dieser Gegend aufgewachsen ist, hatte sie keine Ahnung von dieser Region und keinen Orientierungssinn. Einziger Vorteil: Sie konnte chinesisch und so alle Kilometer lokale Leute nach dem Weg fragen. Christian hat dann den Lead übernommen und die Richtung bestimmt. Das Ergebnis war, dass wir mit unseren altmodischen Velos (mit einem Gang)  vor allem auf holprigen Wegen fuhren. Irgendwann hörte dann auch einfach die Strasse auf am Flussrand. Zum Glück waren da ein paar Männer, die uns dann mit einem kleinen Bambusboot ans andere Ufer rüber brachten. Das war es recht amüsant! Wir nahmen das Ganze mit Humor, es war trotz allem ein sehr schöner und lustiger Ausflug. Auch wenn es bei Smiley an den Ortskenntnissen haperte,  sie war liebenswert - sie punktete bei uns mit dem "Jöö"-Effekt.

 

Am letzten Tag in China (25. Oktober) war langes Ausschlafen angesagt und dann die Suche nach einem Café, in welchem ich den Blog schreiben und Conny die Fotos bearbeiten konnte. Als wir um ca. 17 Uhr und fertig waren, fing es draussen genau an zu regnen. Da wir noch essen gehen wollten, bevor es zur Show ging, mussten wir ins nächst beste Restaurant gehen. Das Essen war zwar nicht unsere erste Wahl, es war aber doch ganz passabel. Zurück im Hotel machten wir uns regensicher, da die Show im Freien stattfand. Die Impression-Sanjie-Liu-Show ist eine grosse Freiluftshow, welche mit 10`000 Besuchern je Show und 600 Artisten eine der grössten seiner Art ist auf der Welt. Die Story erschliesst sich einem Westler ohne Chinesisch Kenntnisse nicht, aber es handelt sich anscheinend um ein Mädchen, welches sich durch Singen über die Missstände in seinem Dorf beschwerte. Interpretiert wurde die Show 2004 vom Macher der Eröffnungsshow für die Olympischen Spiele in Beijing. Ein Must-See für jeden Besucher von Yangshou. Die Preise variieren von Anbieter zu Anbieter stark. So kann schnell 100 CHF verlangt werden für ein Platz, denn wir für 20 CHF bekommen haben. Die Show ist etwas ausserhalb von der City, weswegen man abgeholt wird. Im Kleinbus folgte dann die nächste Überraschung: Patrick, ein Arbeitskollege von Conny, und seine Freundin waren auch im Bus um die Show anzusehen! Während der Show hatten wir sogar gleich die Plätze nebeneinander. Die Welt ist ein Dorf!!!! (zum zweiten Mal :-) )

 

Zum Glück liess der Regen nach als die Show startete. Die Kulisse ist einmalig und auch unübertroffen mit den Felsen, welche sich aus dem Fluss hervorheben. Zudem ist es mit dem schönen Lichtspiel auch chinesisch kitschig bunt, was aber sehr passend ist hier. Die vielen Akteure der Show, welche jeden Abend die 3 Shows à 70 Minuten zeigen, sind tagsüber Bauern und normale Angestellte. Es ist eine Art Musical und Lichtershow. Conny hat es mehr begeistert als mich. Wir wunderten uns ein wenig über die chinesischen Zuschauer, welche die ganze Show durch laut miteinander schwatzten, nicht klatschten und 10 Minuten vor Schluss schon aufstanden und die Show verliessen. Aber eben, sie ticken da ein wenig anders als wir... Nach einem Schlumi mit Patrick und seiner Freundin in DownTown ging es dann ins Bett.

 

Am nächsten Tag ging es mit dem Taxi zum Bahnhof von Yangshou und da weiter mit dem Zug und 250 KM/H nach Guangzhou (ca. 100 km nördlich von Hong Kong). Dort weiter mit der Metro zum Flughafen, wo wir mit dem Shuttlebus zum Flughafenhotel gefahren wurden, welches eine Stunde vom Flughafen entfernt war. Die Grössenordnungen hier sind gigantisch und nicht vergleichbar. Aber dank den 120 km/h innerorts, wo 60 erlaubt war, dauerte die Fahrt nur 40 Minuten. Somit verbrachten wir die letzte Nacht im Holiday Inn. Am nächsten Morgen hiess es "Good Bye China" und es ging weiter nach Vietnam.

 

China war wirklich ein unvergessliches Abenteuer und sehr eindrücklich! Eine Welt für sich dieses China, aber das muss man einmal gesehen haben!

谢谢 - Xièxiè 
Christian & Conny