Tibet / Mount Everest

Der Weg zum Mount Everest

Lhasa

 

In Tibet angekommen, habe ich mich das erste Mal so richtig scheisse gefühlt. Die Höhe hatte mich voll erwischt und ich war wie tot. Man kann es vergleichen mit einem verdammt harten Kater! Kopfweh, Schwindel, Müdigkeit und einfach nur schlapp. So schlimm hatte ich mir die Ankunft nicht vorgestellt. Conny ging es doch schon ein wenig besser als mir, aber auch nicht wirklich gut. Was aber noch mühsamer ist: Das Atmen. Die Luft ist schon eher knapp auf 3700 Meter. Jede Treppe wird zur Herausforderung…. Und dann noch mit einem Kater!!!! Nachdem wir von unserem Reiseleiter Lobsan ins Hotel gebracht wurden, machten wir noch einen kleinen Rundgang durch die Altstadt von Lhasa und gingen früh zu Bett. Auch im Bett gestaltete sich das Atmen schwierig. Auf dem Rücken bekam ich nicht genug Luft und musste daher seitlich schlafen. Ist ähnlich wie beim Tauchen…. Man atmet, bekommt aber nicht genug Sauerstoff.

 

Am nächsten Morgen ging es mir schon viel besser (ca. 70% regeneriert). Trotzdem war ich immer noch nicht fit und habe mich deswegenam schon tierisch genervt über die amerikanischen Pensionäre am Frühstücksbuffet welche einfach nicht vorwärts machten. Conny bekam dann meine Aggressionen zu spüren... Sorry an dieser Stelle!

 

Da Tibet nur mit einem Reiseführer bereist werden kann, haben wir eine 8-tägige Tour zum Mount Everest gebucht. Zum Glück war unsere Reisegruppe im Schnitt etwa gleich alt wie wir was es doch einiges angenehmer machte. Die ersten zwei vollen Tage verbachten wir in Lhasa um uns an die Höhe zu gewöhnen was mir auch gut gelang. Nach 3 Tagen habe ich nichts mehr gespürt von der Höhe ausser dass ich schnell ausser Atem war bei der geringsten Anstrengung (viele würden jetzt sagen dies wäre mein Normalzustand…). Lhasa bietet sehr viel im Bereich Buddhismus. Es hat viele Klöster, welche teilweise sehr alt sind und auch sehr neue (die währenden der Kulturrevolution zerstört und danach wieder aufgebaut wurden). Sehr beeindruckend war der Potala Palace, welcher rund um einen Berg gebaut wurde und auch auf dem 100er Yen Schein gedruckt ist. Er besteht aus 1100 Zimmern und war die Winterresidenz des Dalai Lamas welcher mittlerweile in Indien wohnt, da er in China nicht mehr erwünscht ist. Allgemein ist die Stimmung gegenüber den Chinesen eher aggressiv, was verständlich ist bei dieser Vergangenheit. Die Chinesen sind in Tibet einmarschiert damit sie sich an den Ressourcen von Tibet bedienen können und auch mehr Platz haben für die grosse chinesische Bevölkerung. Damit sie das Land auch richtig ausbeuten können haben sie die Infrastruktur extrem ausgebaut. Strassen- und Eisenbahnnetze sind hervorragend und von guter Qualität! Allgemein wurde Tibet schon sehr auf China getrimmt. Die Tibetische Sprache wird in der Schule nicht mehr gelernt sondern nur noch Chinesisch. Auch bekommen Tibeter keinen Reisepass und sind somit in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Als Tourist merkt man von all dem wenig bis nichts. Aber wenn wir mit den Tibetern sprachen, konnten wir die Unzufriedenheit raushören. Der Chinesische Staat tut aber alles Mögliche um solche Stimmen zu unterdrücken/kontrollieren.

 

Genug der politischen Ausschweifungen. Was haben wir sonst noch gesehen in Lhasa? Neben den vielen Klöstern ist die Altstadt sehr schön. Es hat zudem viele Einflüsse von Indien, wo die Religion herkommt. Lustig ist noch zu bemerken, dass der Buddhismus doch auch nur eine Religion wie jede andere auf der Welt. Wir dachten immer, sie hebt sich durch seine Bescheidenheit und Selbstlosigkeit ab, aber schlussendlich steht sie betreffend Prunk und Ablasshandel der Katholischen Kirche in nichts nach.

 

Shigatse

 

 

Nachdem wir uns alle erfolgreich an das Klima gewöhnt hatten, machten wir uns auf den Weg nach Shigatse, der zweitgrössten Stadt von Tibet. Für die 280 Km brauchten wir ca. 9 Stunden. Dies nicht etwa, weil die Strassen schlecht waren oder wir ein langsames Auto hatten, sondern wegen der chinesischen Gesetze. 2008 verunglückten während kurzer Zeit zwei Reisebusse mit ca. 40 Toten. Daraufhin wurden sogenannte „Speed-Control“-Stellen eingeführt. Die funktionieren so: Man fährt aus der Stadt und kommt an einen Kontrollposten. Dieser füllt ein Formular aus mit der aktuellen Zeit. Danach fährt man bis zum nächsten Kontrollposten, welcher ca. 30 Kilometer weit weg ist. Dann wird die Anfangszeit mit der Endzeit verglichen. Soweit so gut. Das Problem ist einfach, dass die Durchschnittsgeschwindigkeit auf die ganzen 30 Kilometer berechnet nicht mehr als 30 km/h betragen darf!!! Auch wenn 80 km/h überhaupt kein Problem sind auf den Strassen, da sie alle neu und übersichtlich sind. Jedenfalls bilden sich immer ca. 500 Meter vor den Kontrollpunkten grosse Autokolonnen, welche die Zeit abwarten, bis sie zum Kontrollposten fahren. Beim Nichteinhalten dieser Zeiten folgen dann drakonische Strafen. Somit verzögert sich das Reisen extrem.

 

In Shigatse angekommen, holten wir noch das Einreisevisum (es heisst tatsächlich "Alien-Visum") für den Mount Everest ab und machten uns auf zum nächsten Kloster. Die Klöster sind grundsätzlich alle gleich. Hat man den Potala Palace gesehen, hat man alle gesehen. Natürlich muss ich an dieser Stelle sagen, dass mich  im Gegensatz zu Conny die Buddhistische Kultur nicht bis ins letzte Detail interessiert. Anders war dies bei einigen anderen Mitreisende der Gruppe, welche ihren inneren Frieden finden wollten.

 

Mount Everest

 

 

Tags darauf (15. Oktober) war dann der grosse Tag. Die Fahrt zum Mount Everest. Die Landschaft bis dorthin ist sehr faszinierend und surreal. Fährt man über einen Pass hat man einen Ausblick auf die Berge wie vom Flugzeug! Diese Ausblicke alleine würden schon eine Reise nach Tibet rechtfertigen. Die unendliche Weite macht es so speziell.

 

Als wir auf einem Pass auf 5400 Meter  die "Big-Five" (alle fünf Berge über 8000 Meter inkl. Mount Everest) wolkenlos sahen, war das einfach überwältigend. Nach so einer langen Reise durch ganz China und Tibet endlich denn grössten Berg vor uns zu sehen war unglaublich. Es wird wohl einer der grossen Höhepunkte auf unserer Reise sein.

 

Nach weiteren 100 Kilometer rauf und runter, waren wir dann endlich am Base Camp für die Touristen angekommen. Dieses Base Campe befindet sich ca. 14 Kilometer vor dem ersten offiziellen Base Camp für die Bergsteiger. Es besteht aus 77 Zelten, welche für die unzähligen Reisegruppen jedes Jahr bereitgestellt wird. Während der Hochsaison (Juni-August) teilen sich bis zu 20 Personen ein Zelt, welches für 9 Personen gedacht ist. Wir waren zum Glück zur Nebensaison da und da war die Platzzahl auf 6 Personen pro Zelt beschränkt, damit man möglichst vielen Zeltbetreibern ein Auskommen sichern konnte.

 

Nachdem wir angekommen sind, wollten wir noch die letzten 4 Kilometer zum Aussichtspunkt raufwandern um den Sonnenuntergang besser zu sehen. Die Strecke war sehr beschwerlich (auf 5500 Meter! ) und jeder Schritt war zumindest für mich nicht gerade einfach. Conny ging voraus um Fotos vom Sonnenuntergang zu schiessen. Doch auf halber Strecke kam uns ein Polizeiauto mit einem Megaphone entgegen. Sie forderten uns auf umzukehren, da sie Feierabend machen wollen (es war Samstagabend... evtl. gabs irgendwo noch ne Party weiter unten im Dorf und sie mussten sich noch schön machen...). Tja, wir durften natürlich nicht alleine weitergehen, das wars mit dem Aussichtspunkt... Welcome in China!

Zum Glück konnten wir auch auf dem Rückweg und beim Base Camp den Sonnenuntergang verfolgen und schöne Fotos machen. Es war trotzdem sehr schön und eindrücklich!

 

Wieder im Lager zurück ging es in unsere Zelte, welche angenehm beheizt waren. Das Abendessen bestand aus Reis und Wasser… sehr spartanisch. Aber ehrlich gesagt auch gut. Jeder WC-Gang sollte peinlichst vermieden werden. Die WCs die es gab waren eine Katastrophe, weswegen jeder seine Notdurft irgendwo in der steinigen Umgebung verrichtete. Entsprechend sah das Umfeld aus: verschissen! Allgemein haben die Sanitären Einrichtungen im Tibet einen neuen Negativrekord gesetzt bei mir. Da ist jedes öffentliche Bahnhofs-WC in Europa, welches NICHT gepflegt wird eine Luxusversion. Sollte man damit Probleme haben, rate ich von Reisen nach Tibet ab. Da muss ich sagen, sind die Chinesen kultivierter als die Tibeter... aber auf tiefem Niveau!

Wir haben darum immer die natürlichen WCs bevorzugt: in der Natur draussen! V.a. im Tibet lohnt sich das, das macht jeder dort! Frische Luft und schöne Aussicht - was will man mehr :) Das Highlight war definitiv die WC-Pause im Base Camp: Aussicht auf den Mount Everest bei Vollmondlicht - herrlich!!! Eine schönere Aussicht kriegt man nicht! Einziger Nachteil: die Kälte und der Wind - die Nacht war so eiskalt, dass die Wasserflasche auf unserem Bett gefroren ist (!). PS: leider wurde unser Zelt nicht wirklich geheizt....

Am nächsten Morgen ging es ins andere Zelt rüber frühstücken, welches geheizt wurde. Danach wurden wir mit einem Bus raufgefahren zum Aussichtspunkt und wir konnten alle noch schöne Fotos machen vom höchsten Berg der Welt in seiner vollen Grösse. Einfach WOW!

 

Zurück im Lager ging es wieder zurück Richtung Shigatse. Die Fahrt dauerte wieder ewig lange wegen der vorhin erwähnten Speed Control. Die Strasse (die letzten 150 km) zum Mount Everest wurde erst im Mai 2016 fertiggestellt. Vorhin waren dies nur Schotterpisten, welche mit einem 4x4 Fahrzeug zurückgelegt werden mussten. Wir hatten also riesiges Glück, die Strasse war so sehr angenehm. Nur Zeit einsparen konnte man trotzdem nicht  wegen der Speed Controls…;-) Irgendwie lustig wen es nicht zum schreien wäre…!!!

 

In Shigatse angekommen, gingen alle erstmal richtig aufs WC und Duschen. Nach solchen Nächten werden einem die Annehmlichkeiten Zuhause wieder bewusst. Das Abendessen liessen wir ausfallen und machten uns direkt ab ins Bett, da wir am nächsten Tag wieder früh raus mussten um nach Lhasa zu kommen.

 

Auf dem Rückweg nach Lhasa besichtigten wir noch ein paar malerisch schöne Orte und Landschaften welche durchaus ihren Reiz haben. Hier fühlten wir uns ein wenig in den Schweizer Alpen…;-)