Nord Korea - Demokratieverständnis mal anders

 

Vorbereitung auf eine Zeitreise

 

Am Sonntagmorgen 24. September flogen wir nach Peking für ein Meeting mit der Reiseagentur betreffend Nordkorea. Wir haben im Voraus schon viel gelesen über dieses skurrile Land und dessen Gepflogenheiten. Ausserdem hat uns Bill von der Food-Tour schon gewisse Einblicke gegeben. Im Briefing wurden wir von James nochmals eindringlich auf die Do`s & Dont`s aufmerksam gemacht, damit wir möglichst problemlos wieder ausreisen können: Kein Bild von Kim falten, Fragen welche nicht gestellt werden sollten, Isolation während der Reise, Natel immer im Flugmodus halten, Kim darf nur als Ganzes fotografiert werden (auch Statuen), keine anstössigen Inhalte auf mitgeführten Kameras und Handys, korrekte Anrede vom Kim etc. Zudem wurden uns noch die Visas ausgehändigt. Eine Notfallnummer brauchten wir nicht, da wir nicht telefonieren konnten. Nach knapp zwei Stunden gingen wir mit einem etwas mulmigen Gefühl wieder raus. Wir genossen noch ein letztes gutes Abendessen in Freiheit und die bequemen Betten des Hotels. Auch verabschiedeten wir uns schon mal vorsorglich von unseren Liebsten... you never know!

 

Ankunft in einer anderen Welt

Der Flug am nächsten Morgen ging um 12 Uhr. Am Gate trafen wir auf die ersten Nordkoreaner welche sich fleissig mit Zigaretten eindeckten und noch ihr letztes Coca Cola tranken. Die Stimmung war heiter bis fröhlich, obwohl es zurück in die "Demokratie" ging. Der Flug mit der schlechtesten Airline der Welt, Air Koryo, hatte 1,5 Stunden Verspätung… der Grund wurde auch uns nicht mitgeteilt. Im Flieger bekamen wir neben einem Chickenhamburger noch diverse Einreiseblätter zum Ausfüllen. Da wir gut vorbereitet waren, konnten wir die Inventarliste mit unseren Mitbringsels schnell übertragen. Ausser uns waren nicht viele andere Touristen im Flugzeug. 

Die Landung an Pjöngjangs Vorzeigeflughafen (erst 1 Jahr alt) war eine Ankunft auf einem Geisterflughafen. Auf dem Rollfeld waren noch ca. 10 andere Flugzeuge von Air Koryo abgestellt, die nicht aussahen als wären sie in ständigem Gebrauch. Nur unser Flug plus ein Charterflug aus China kam heute übrigens an. Zu unserer Überraschung verlief die Pass -und Gepäckkontrolle sehr schnell und es interessierte auch niemanden was wir reinnahmen. Einzig die Bücher und Hefte wurden kontrolliert, dass sie nicht auf Koreanisch waren. Auch an der Freundlichkeit der Grenzbeamten können sich insbesondere die Amerikaner eine grosse Scheibe abschneiden.... so jedenfalls haben wir die Einreise nicht erwartet.

 

Am Ausgang trafen wir dann auch schon auf unsere zwei Guides. Der jüngere Pak (29 Jahre) und der ältere Kim (ca. 60 Jahre) empfingen uns sehr offen und herzlich. Kim sprach sogar aktzentfreies Deutsch. Besser als wir (!), was uns überraschte, dabei war er nie in Ostdeutschland, nur in Russland und China. Der Fahrer Riih machte auch einen sehr sympathischen Eindruck. Mit einem älteren Mini-Bus machten wir uns über eine mässige Strasse Richtung City auf. Dort angekommen, besuchten wir den Fountainpark, welcher bei den Jungen sehr beliebt ist für ein erstes Date. Nach einem kurzen Spaziergang kauften wir an einem Stand für ca. 3 Euro ein Plastikblumengesteck. 200 Meter weiter waren wir dann auch schon am fast heiligsten Ort: Die Bronzestatuen von Kim Grand-Senior und Kim Senior. Das Prozedere wurde uns erläutert: Hände offen nach unten halten und gerade nach vorne gehen. Blumen niederlegen, einen Schritt zurück und gerade verbeugen. Zwei Sekunden gebückt halten und zurückgehen. Erst danach Fotos machen. Dies war ein sehr eindrücklicher Moment, wo es uns beide kalt den Rücken runterlief. Irgendwie Surreal.  Leicht geflasht gingen wir zum Auto zurück. Die Plastikblumen werden übrigens von Zeit zu Zeit wieder eingesammelt und in die Blumenläden zum Wiederverkauf gebracht (Marketing Stufe 2). Auf dem Weg zum Abendessen schauten wir gespannt nach draussen und studierten die Strassen und Gebäude in Pjöngjang. Es gab einen kleinen Zwischenstopp in einer Bar, wo wir uns zwei Grosse Bier genehmigten (inkl. Fahrer) und uns austauschten und ein lockeres Gespräch hatten. Pak war noch ein wenig schüchtern, aber nach dem zweiten Bier legte sich das. Kim markierte den Chef und hatte das Sagen, gleichzeitig war er aber auch locker und klopfte munter Sprüche. Das Bild eines freien und normalen Nordkoreas war perfekt. Das Abendessen wurde im oberen Stock eines kleinen Ladens eingenommen. Als Aperitif wurden Bier und eingelegter Kohl gereicht. Das Essen war vielfältig und sehr lecker. Danach ging es zu unserem Hotel auf einer Halbinsel in der Mitte von der City. Bei der Zufahrt zum Hotel wurde uns noch gesagt, dass wir das Hotel nicht alleine verlassen dürfen. Somit war der Ausgang gestorben für heute.

 

Im Hotel angekommen waren wir müde und froh, auf unser Zimmer gehen zu können. Das Hotel war durchgängig im 70er Jahre-Style gehalten. In der unteren Etage gab es eine Bowlingbahn, Massagesalon, Bierbar, Biliardraum und eine Karaokebar. Was alle gemeinsam hatten war, dass es keine anderen Gäste hatte im Hotel. Nur vereinzelt Chinesen. Sowieso machen Chinesen ca. 97% der Gäste in Nordkorea aus, da es für die Chinesen eine Zeitreise ist in das China vor 40 Jahren unter Mao.

 

Sightseeing in der Hauptstadt

 

Das Frühstück am nächsten Morgen war gut, aber nicht besonders üppig. Zudem war es natürlich auch eher auf die Chinesischen Gäste ausgerichtet. Kaffee fehlte leider und Starbucks ist auch noch nicht vertreten. Später um 8 Uhr trafen wir uns in der Lobby mit Kim und Pak, welche auch immer im Hotel übernachteten. Wir machten uns auf, die verschiedenen Museen und Monumente der Stadt zu besuchen. Es war ein sehr dichtes Programm an Sehenswürdigkeiten das wir abspulten und auch wurden wir meist im Dunkeln gelassen was als nächstes kommt. Gesamthaft waren es sicher ca. 15 Sachen nur an diesem 27. September. Das Eindrücklichste war der Besuch im Kriegsmuseum, welches auch vor ca. einem Jahr neu gebaut wurde. In diesem Museum wurde erklärt, wie die Südkoreaner im Koreakrieg erfolgreich zurückgedrängt wurden. Der Eingangsbereich war gepflastert von erbeuteten Kriegsgeräten der Aggressoren (Amerika und Südkorea). Der Eingang des Museumsgebäude war geprägt von einer 30 Meter hohen Statue von Kim Junior. Hinter der Statue waren schöne Wandmalereien mit Feuerwerk. Es war wie im Disney Land! Dieses Museum ist an Entertainment und Aufmachung nicht zu übertreffen! Bis jetzt habe ich die amerikanischen Vergnügungspark als das Mass der Unterhaltung angesehen, aber nach diesem Besuch wurde ich eines Besseren belehrt. Was hier an Geld reingesteckt wurde um solch detailgetreuen Nachbildungen von Kämpfen zu gestalten ist unglaublich. Da es auch Militärs hatte, welche sich das Museum anschauten, denke ich, es ist auch hier um aufzuzeigen, wie grausam die Aggressoren sind oder bessergesagt alle ausserhalb Nordkoreas. Jedenfalls war es ganz grosses Kino und die Geschichte wurde hier neu geschrieben.

Als zweitletzter Punkt war noch die Besichtigung einer Schule auf dem Programm. Hier wurden wir von den Vorzügen des nordkoreanischen Bildungssystems überzeugt. Ausserdem wurde allen Touristen noch eine Schulaufführung mit Tanz und Theatereinlagen gezeigt. Am Schluss der Vorstellung fing Kim wieder an zu stressen, damit wir zum Auto kommen um nach Nanpo zu fahren. Eine Stadt kurz vor der Grenze zu Südkorea. Der Weg dorthin war das Schlimmste an Strassen, was ich in meinem Leben je gesehen/gespürt hatte. Sobald man die Hauptstadt verliess, waren die Strassen nicht mehr befahrbar. Die Autobahn war zwar 16 Spuren breit, aber es wurde Slalom gefahren, um einem Teil der Schlaglöcher  auszuweichen. Je mehr wir rauskamen, umso katastrophaler wurde die Strasse. In keiner meiner Reisen habe ich solch schlechte Strassen erlebt! Personen mit Rückenproblemen sollten zuerst ihren Arzt kontaktieren oder sich betrinken. Reisschnaps kann da wahre Wunder wirken :)

 

 

Das fast perfekte Resort & SPA

 

Im Resort & Spa (offizielle Bezeichnung) angekommen, fragte uns Kim ob wir ein Muscheln BBQ wollen mit Reiswein… "Kostet 20 Euro", aber er könnte da was organisieren. Natürlich waren wir einverstanden und auch begeistert von seiner spontanen Art, wo doch sonst alles bis ins letzte Detail geplant war. Nach dem Bezug des Zimmers waren wir leicht enttäuscht vom Gebotenem in unserem Zimmer: Das SPA bezog sich auf eine grosse Mosaik gepflasterte Badewanne, welche braun und verschimmelt war. Zudem funktionierte das Wasser nicht, da die Thermalquelle zu wenig Druck hat im Moment. Der Abfluss, aus welchem die Düfte der Kanalisation drangen, war dem Wohlfühlklima auch nicht gerade zuträglich. 30 Minuten nach Zimmerbezug holte uns Kim auch schon ab um das BBQ zu geniessen. Im Scheinwerferlicht des Vans sassen wir nun zu fünft um einen runden Stein herum, auf welchem die Muscheln rundherum positioniert waren. Nach dem Einschenken des Reisweines und den ersten Muscheln vernahm ich dann auch schon ein wenig den Benzingeruch, der aufstieg. Ich dachte zuerst, dass der Van neben uns ein Loch im Tank hatte nach dieser holprigen Fahrt. Je mehr Muscheln gegessen wurden und wir zur Mitte des Steins vordrangen, sammelte sich die Sauce… Da wusste ich es dann mit Gewissheit, das hier mit Benzin grilliert wurde und die Sauce Benzin selber war… Lecker!!!! Auch bei jedem Rülpser kam ein Hauch von Benzin hoch. Zum Glück war das nur der Apéro und wir gingen rüber ins Hotelrestaurant richtig essen. Dieses Essen traf dann schon eher unser Geschmack. Aber nach diesen Muscheln konnte es nur gut sein. Am Nebentisch war der Hoteldirektor mit seinem Kader fleissig am Trinken. Er lud uns noch zu einem original Deutschen Bier ein (Made in Holland) und hatte gegen Schluss gut einen sitzen. Auch wir versuchten den Benzingeschmack mit Bier loszuwerden. Müde und mit einem Damenrausch gingen wir zu Bett.

 

 

Die unglaublichen Kims

 

Am nächsten Morgen, nach einer kalten Dusche, fuhren wir zu einer Meeressperre. Diese Sperre hält das Meerwasser aus einem grossen Flussgebiet raus und macht es somit fruchtbar. Auch dies ist eine sehr grosse Errungenschaft der Familie Kim. In einem 30minütigen Film wurde uns die Entstehungsgeschichte nähergebracht. Oder besser gesagt aufgezeigt, was für gute und bahnbrechende Ideen die Familie Kim hat. Wenn es Probleme oder unlösbare Situationen gab beim Bau des Dammes, kam Kim persönlich vorbei und löste mit seinen Ratschlägen die Knoten der Ingenieure, damit weitergearbeitet werden konnte. Im Endeffekt kann gesagt werden, dass das ganze Land durch die Kims und ihre Genialität aufgebaut wurde. Ich glaube der Kim Grand-Senior hat durchaus Grosses geleistet, indem er sich im nahen China auf den Kampf zur Befreiung Nordkoreas von den Japanern vorbereitete (irgendwann um 1940) und dies auch erfolgreich durchführte. Kim Senior und der momentane Herrscher Kim Junior profitieren nun von diesem Gottesstaat und geniessen die Lorbeeren. Religionen sind offiziell erlaubt, aber praktisch sind 99% Atheisten, was natürlich auch so gewollt ist. KIM ist die Religion! Wie heisst es so schön in der Bibel: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben?! Das Ausland hat auch kein Interesse an einem Niedergang von Nordkorea. Die Chinesen sind froh, einen Puffer zwischen Amerika und sich zu haben. Zudem haben sowohl China wie auch Südkorea Angst vor den Flüchtlingen / Wiedervereinigung. Man sehe sich nur das Beispiel Ost- Westdeutschland an, hier gibt es immer noch ein sehr grosses Gefälle. In Korea ist dieses um ein x-Faches höher. Die Nordkoreaner kennen schlicht das System Marktwirtschaft nicht ,was es schwierig macht, sie zu integrieren. Somit ist jeder am Status Quo interessiert und es wird sich so bald nichts ändern in Nord Korea.

 

Nach der Besichtigung vom Damm ging es wieder Richtung Norden nach Pjöngjang. Die Fahrt dauerte wieder drei Stunden und für uns Zeit genug ein Nickerchen zu machen da es gut schüttelte und rüttelte. In der Agglomeration angekommen konnten wir eine Quelle mit Abfüllanalage besichtigen, welcher auch schon 5x von den Kims besucht wurde. Die Abfüllanlage für Mineralwasser schien eigentlich sehr modern und auf dem Stand der Technik. Auch mussten wir durch verschiedene Schmutzschleusen gehen um zur Anlage zu kommen. Dass drinnen ein Techniker das Förderband am Schweissen war in dreckiger Kleidung und es kein fliessend Wasser im WC gab machte uns dann doch wieder Stutzig. Aber ja man soll ja nicht das Haar in der Suppe suchen.

 

Als nächstes stand dann der Besuch des Stahlwerkes auf dem Plan. Hier wurde uns zuerst wieder wie überall ein Raum gezeigt in welchem die Geschichte des Werkes gezeigt wird und was die Kims für einen Einfluss auf die Fabrik hatten. Hier hat er zum Beispiel die Produktion durch einen simplen Trick vervierfacht, indem er die Wartungsintervalle verschob! Wir nickten zustimmend und vordergründig begeistert. In jeder Fabrik gibt es übrigens eine Frau, die in traditioneller Kleidung durch die Hallen führt und erklärt was wo ist. Teilweise auch in Englisch. Der Text scheint immer sehr einstudiert und wie ab Tonband. Aber wir haben auch 1-2x erlebt, wo unsere Aufpasser Kim und Pak nicht in der Nähe waren, dass wir gefragt wurden woher wir kommen und wie wir das in unserm Land so machen. Jedenfalls scheint bei den Leuten, mit welchen wir in Kontakt traten sehr viel Wissen über den Rest der Welt vorhanden zu sein. Die Schweiz zählt zumindest vordergründig nicht zu den Schurkenstaaten. So wird sie lobend herausgehoben bei der Gewinnung von Strom, welchen wir zu 90% aus Wasserkraft, Sonne und Wind gewinnen. War auch für uns neu. Hier korrigierten wir aber schnell und verwiesen auf andere alternative Energien wie zum Beispiel Atomstrom, was sogleich zu einem Stirnrunzeln führte.

Im Stahlwerk konnten wir überraschende direkt in die Produktion schauen und dabei sein als Altmetall eingeschmolzen wurde. Dies war sehr imposant, da dies in der Schweiz wohl kaum möglich wäre aus Sicherheitsgründen. Die Arbeiter machten auf uns einen normalen Eindruck, die Fabrik konnte gleichwohl auch irgendwo in Osteuropa oder Russland stehen. Die Persönliche Schutzausrüstung der Arbeiter bestand aus einer Sonnenbrille und Handschuhen. Zudem sah ich sicher zwei Mitarbeiter die die 70 schon überschritten hatten.

Gegen Abend konnten wir dann noch das Museum für Geschenke besuchen, welche die Familie Kim von Exilkoreanern und ausländischen Staatsoberhäuptern bekommen haben. Dies ist ein grosses Gebäude mit drei Stockwerken und in jedem Stock hat es Geschenke in Vitrinen. Dies geht von Vasen aus Jade (chinesischer Präsident) über ein Mousepad (Chef von Samsung) bis hin zu einem Anstecker vom Musical Mama Mia (Exilkoreaner). Auch hier wurden Militäreinheiten rumgeführt und erklärt was er alles bekommen hat um wohl die Wichtigkeit des Führers zu unterstreichen.

Am Abend stand dann ein Fakultatives Symphonieorchester (Kostenpunkt 60 Euro) auf dem Plan in einem der vielen Konzert- / Theatersäle von Pjöngjang. Es bestand aus 180 Musikern und zwei Dirigenten. Für uns als Musiklaien machte es einen sehr professionellen Eindruck und auch die Stücke welche gespielt wurden waren von Europäischen Künstlern inspiriert. Hier waren die Gäste zu 30% Touristen und der Rest Nordkoreaner (Fussvolk). Ich und Kim verabschiedeten und schon bald in den Stand-By Modus. Pak und Michael scheinen da ein wenig Kulturaffiner gewesen zu sein.

 

 

Die persönliche offene Seite unserer Guides

 

Am Abend nach dem Abendessen, trafen wir uns noch auf ein Bier hoch über Pjöngjang mit unseren Guides. Sie wollten eigentlich nicht so gerne in den obersten Stock des Hotels kommen, da dort das Bier so teuer war (4 Euro). Aber wir haben dagegen gehalten, dass wir ja eh immer zahlen also soll es ihnen egal sein. Im grossen und ganzen können wir sagen, dass wir echt gute und offene Guides/Aufpasser hatten. Kim war ein alter Hase in der Reisebranche, daher konnten wir ihn alles fragen was wir wollten und er gab uns mehr oder minder immer eine Antwort. Auch auf die Frage wo Nordkorea in 10 Jahren steht, sagte er, dass sie hoffentlich mit Südkorea vereint sind. Sie würden sich ideal ergänzen: Nordkorea kann die Schwerindustrie beisteuern und Südkorea die Leichtindustrie. Diese Offenheit überraschte uns. Es viel nie ein abschätziges Wort über die Welt ausserhalb Nordkoreas oder irgendwelche Propagandafloskeln. Auch fragten wir nach ob sie wissen, dass Kim in der Schweiz studiert hat. Sie zeigten sich erstaunt und sagten, kann schon sein, aber Sie wissen jedenfalls nichts darüber. Pak offenbarte uns auch noch, dass ihn denn Job eigentlich anscheisse und er lieber nach Brasilien auswandern möchte wenn er genug Geld zusammen hat. Kim hatte eigentlich auch keinen Spass an seinem Job, da er normalerweise im Backoffice die Reisen organisiert, war sein mitkommen mit uns eher eine Ausnahme. Auch liess er sich nichts sagen. Nicht mal bei einem Militärcheckpoint wo es fast zu Handgreiflichkeiten gekommen wäre zwischen Kim und dem jungen Soldaten. Wir beobachteten die Situation vom sicheren Auto aus. Wie er mir später sagte, steht in den Papieren ein andere Autonummer als wir tatsächlich hatten, da das ursprünglich vorgesehen Auto defekt war. Und wie der Kim so ist, sagte er dem Soldaten er solle nicht so kompliziert tun, worauf ihn der Soldat anscheinend beleidigte und er ihm eine Knallen wollte…. Zum Glück war Pak noch dazwischen und beruhigte die Situation. Wir glauben dass die oberen 2 Millionen von Nordkorea ganz genau wissen was abgeht in diesem Land und arrangieren sich mit dem System. Die Leidtragenden sind die Landbevölkerung und das hart arbeitende Volk in den Fabriken. Auf dem Land sieht man keine einzige Maschine, weder fürs Feld noch für den Transport. Alles wird von Hand gemacht und mit dem Velo transportiert. Strassenbeleuchtung existiert nicht. In den Häusern brennt zwar überall Licht, aber es ist schon sehr dunkel. Es ist ein komplettes Entwicklungsland und für uns schwer nachzuvollziehen, auf der einen Seite diese Prunkbauten und Geldverschwendung und auf der anderen Seite keine einzige intakte Strasse geschweige denn Maschinen zum Arbeiten auf dem Felde. Normalerweise geht auch sowas an mir emotionslos vorbei, aber je mehr Zeit verstrich, umso mehr regte mich dieses System auf, welches so ganz offensichtlich Falsch und Scheinheilig ist. Daher war ich froh, dass wir nur fünf Tage gebucht haben, sonst wäre mir wohl noch was rausgerutscht was mich ein wenig länger in Nordkorea behalten hätte.

 

 

Ungewollte Planänderung

 

Der Nächste Morgen bestand wieder aus dem kargen Frühstück. Eigentlich wollten wir heute zur Demilitarisierten Zone im Süden fahren. Aber wie uns gesagt wurde, wurde diese am Vorabend geschlossen. Keiner weiss warum und auch wir nicht, da wir seit vier Tagen keinen Kontakt zur Aussenwelt hatten. Kim war es nicht recht, dass das Programm nicht wie geplant durchgeführt werden konnte. Somit war er gezwungen zu improvisieren. Aber zum Glück gibt es in der Hauptstadt viele mehr oder minder sehenswerte Museen, was wir dann auch taten. Wir hatten ehrlich gesagt keinen bock auf einen weiteren Tag Museum. Da der Ablauf immer der gleiche ist und schlussendlich sich alles um die Kims drehte. Deswegen machte Kim uns einen Vorschlag und ging mit uns ins Kaffee Sacher in der Innenstadt. Der Kaffee schmeckte für Nordkoreanische Verhältnisse hervorragend, ein wenig Bitter… aber Hey wir sind in einer Diktatur. Später gingen wir noch in die Bibliothek wo aus 3 Millionen Büchern ausgewählt werden konnte. Zudem war es auch eine Schule wo verschiedenste Sprachen erlernt werden können. Auch dieser Bau ist ein wenig überdimensioniert. Die Bibliothek ist vordergründig auf dem neusten Stand der Technik. Das Buch kann vorher im Internet gesucht werden und ein vollautomatisiertes System geht es im Hochregallager holen und wird via Förderband zur Ausgabestelle gebracht. Und Schwupps als wir an der Ausgabestelle waren, waren drei Bücher aus der Schweiz auf dem Förderband: Mit dem Postauto durch die Schweiz, ein Schweizer Pflanzenkundebuch und ein Rezeptbuch aus der Welschschweiz. Die Bibliothekarin sagte uns daraufhin noch, dass das Emmentaler Rindsvoressen eines ihrer Lieblingsrezepte ist… ohh welch Zufall dachten wir und lächelten. Auf die Frage ob wir einen Blick ins Hochregallager werfen können, wurde uns gesagt, dass dies leider nicht möglich ist, aber an der Wand hat es ja Bilder die es veranschaulichen. Auch beim zweiten Mal Nachfragen gab es ein NEIN. Naja ein Versuch war es Wert. Kim und Pak flirteten währenddessen, wie immer wenn sie uns an die Damen in Traditionskleider abgeben konnten, mit den Frauen rum. 

 

Am Abend war dann noch der Zirkus auf dem Programm in einem anderen der vielen Veranstaltungsgebäude. Dieser war mehrheitlich von Nordkoreanern besucht. Das Programm war für mich ebenbürtig mit dem Knie. Die Artisten hatten internationales Format und der Zirkus war echt lohnenswert. Das ich die ganze Show im wachen Zustand anschaute spricht wohl für sich. Kim hat es nach 10 Minuten erwischt und er ist wie ein Sack Kartoffeln zusammengesackt. Nach dem Zirkus gab es das Spezialdinner mit Hund. Kim fragte mich am Abend zuvor ob ich Hund haben möchte weil wir irgendwie auf dieses Thema gekommen sind. Jedenfalls hat er mir ein Dinner mit Hundefleisch organisiert. Ich muss sagen, dass es bis jetzt das beste Fleisch war auf unserer Chinareise. Ein Geschmack wie Gulasch und saftig. Aber ob es am Ende wirklich Hund war kann ich nicht zu 100% sagen… wenn es war, dann schade haben wir dies in Zürich nicht. Kulinarisch sehr vorzüglich. Für alle die jetzt aufschrien: Nur Veganer dürfen sich darüber Brüskieren...

 

Der Abschied von Nordkorea

Denn letzten Abend im Hotel verbrachten wir wieder unten bei einem Bier in der Tealounge. Da lernten wir noch ein Paar aus Deutschland kennen, welches eine 11 – Tägige Reise in Nordkorea gebucht hatte und wie wir morgen wieder zurückflog. Es tat gut, nach fünf Tagen wieder mit „normalen“ Menschen zu reden und sich vor allem auszutauschen was man erlebt hat. Somit machten Sie uns auch wieder die Spontane Geschichte mit den Muscheln in Benzin zu Nichte…. Das machen Sie mit allen. Aber wie wir von ihnen vernommen hatten, hatten wir wirklich Glück mit Kim & Pak. Sie hatten eine ältere Dame, welche sehr streng war und einen Praktikanten in Einarbeitung. Sie konnten sie sich weder zu Fuss in Pjöngjang fortbewegen noch bekamen sie antworten auf Fragen. Auf die Frage ob der Kim deutsch kann, da er ja anscheinend in der Schweiz studiert hat gab es die gehässige Aussage: Der Marshall spricht alle Sprachen perfekt….

Der Nächste Morgen begann früh, da der Flug um 10 Uhr ging. Somit war Abfahrt um 7.45 Uhr. Pak machte ein wenig Stress und wir wussten nicht warum. Auf einmal hielten wir am Strassenrand und Pak hüpfte aus dem Auto. Eine Frau gab ihm lächelnd sein Jacket, welches er bei ihr vergessen hatte die Nacht (obwohl er im Hotel geschlafen hat). Seine Freundin war es auch nicht, diese war zur Zeit auf dem Land um bei der Ernte zu helfen….! Wir fragten ihn nur ob es sich wenigstens gelohnt hat… worauf es nur ein Lächeln kam.

Der Rückflug mit Air Koryo verlief auch wieder Problemlos und zu unserer vollsten Zufriedenheit. Abschliessend können wir der Airline nur ein gutes Zeugnis ausstellen. Der Kundenservice ist einwandfrei... sogar zuvorkommend im Vergleich zu Europa und die russischen Maschinen machen auch einen tadellosen Eindruck. Hier wurde eines von vielen Vorurteilen gegenüber Nordkorea widerlegt, was als westliche Propaganda abgetan werden konnte. Es wurden aber auch viele bestätig. Es war spannend zu sehen, wie beeinflusst wir sind von unseren Medien in Europa und was auch hier teilweise für Unwahrheiten verbreitet werden.

 

Wer sich für Reisen nach Nord Korea interessiert, dem können wir entweder denn direkten Kontakt zu Pak und Kim geben. Auch unsere Reiseagentur in Peking können wir guten Gewissens weiterempfehlen: http://www.koryogroup.com/

 

Ob ich nochmals nach Nord Korea reisen würde? Solange sich nichts grundlegendes ändert nein. Da es somit auch nichts neues zu sehen gibt. Aber es ist das spannendste und skurrilste Land das ich je bereist hatte und kann es auch jedem weiterempfehlen der sich für solche Themen interessiert.

 

Besuch beim 13ten Enkel eines Generals...
Besuch beim 13ten Enkel eines Generals...

Fotos zweiter Teil