Start der Weltreise in Kunming (China)

 

Ankunft in der Partnerstadt Zürichs: Kunming

 

Der 11. September war Startpunkt mit China, genauer gesagt Kunming. Die Anreise über Istanbul und Hong Kong verlief problemlos, bis auf den Flug von Hong Kong nach Kunming, wo sowohl ich wie auch Michael rassistisch angegangen wurden von der Flugbegleiterin. Wir sollten unser Handy komplett ausschalten (auch auf Flughöhe), obwohl rund um uns herum die Passagiere am Musik hören, Fernsehschauen und am Spielen waren… wohlgemerkt auf dem Handy!!! Nur wir mussten unseres ausschalten.

 

In Kunming angekommen fuhren wir mit dem Bus Richtung Innenstadt. Hier empfehlen wir zukünftigen Besuchern immer ein Taxi zu nehmen. Egal in welcher Stadt man ankommt, die Taxis sind relativ preisgünstig und fahren fast immer korrekt. Von meinen bisher ca. 80 Fahrten waren nur drei zu beanstanden. 1x fuhr der Taxifahrer als gäbe es kein Morgen: 100 km/h Innerorts und jede noch so kleinste Lücke auszufüllen war sein Ziel. Da wurde selbst uns zwei mulmig. Der zweite Taxifahrer knöpfte uns einen 4x so hohen Preis ab als üblich auf der Fahrt vom Flughafen nach Peking Downtown. Und der Dritte im Bunde hatte wohl keinen Führerausweis; sprich er konnte weder navigieren noch schalten und gleichzeitig schlug er sich immer mit der Faust an den Kopf. Da verliessen wir das Taxi frühzeitig und gaben noch ein wenig Trinkgeld, damit er sich in ärztliche Behandlung begeben konnte. Wir wünschen ihm jedenfalls gute Besserung.

 

Am Abend haben wir dann noch ein wenig die Stadt zu Fuss erkundet auf der Suche nach Essen. Leider war die Umgebung gut um sich ein Handy zu besorgen aber nicht zum Essen. Entweder hatte schon alles zu (22.00 Uhr) oder eben es war ein Telefongeschäft. Beim ersten Restaurant, dass wir sahen, scheiterte es an der Bestellung der Gerichte. Das System war uns nicht bekannt. Irgendwas zwischen Vapiano und Mc Donalds. Zusammen mit unseren super Chinesisch Kenntnissen und den Englischkenntnissen der Angestellten musste dieses Unterfangen scheitern. Am Schluss landeten wir in einer Art Gassenküche… halb auf der Strasse halb im Gebäude. Es war aber ein gehobenes Lokal, da es über farbige Bilder der Gerichte verfügt was uns natürlich auch gelegen kam. Dass die hygienischen Bedingungen nicht die besten waren war uns in diesem Moment egal: Wir hatten Hunger! Das Essen war zwar nicht das, was wir erhofft hatten, aber der Hunger trieb es runter.

Zum Thema Essen: wir haben seit unserem letzten Chinabesuch denn Hot Pots, wie sie hier genannt werden, abgeschworen. Dies ist wohl das richtige Fondue Chinoise. Es ist ein heisser Topf mit Chilli-Brühe in den man alles an Fleisch, Fisch und Gemüse rein wirft. Es ist einfach nicht unsere Vorstellung von chinesischem Essen… wir haben da lieber Nudeln und Reis, wie wir es von den mehr oder weniger authentischen Restaurants in Zürich kennen. Apropos, wer sich in der Schweiz über die kargen und lieblos eingerichteten Restaurants der Chinesen wundert, dem sei gesagt, dass diese die authentischsten Restaurants sind. Auf der ganzen Reise sind klassische chinesische Restaurant wie Kantinen eingerichtet. Auch das Licht muss sehr hell sein, hierfür werden vorzugsweise Neonröhren oder helle LEDs verbaut. Dem Ambiente und Wohlfühlcharakter wird in der westlichen Welt viel zu viel Beachtung geschenkt.

 

Kunming und Umgebung

 

Tags darauf wurde die Stadt erkundet. Wir liefen einfach mal planlos herum, um ein wenig den chinesischen Puls zu fühlen. Kunming ist eine lebendige Stadt, die ihr Gesicht (wie viele andere chinesische Städte) in den letzten 30 Jahren erhalten hat. Es gibt sehr viele Hochhäuser und überall Geschäfte. Alles wird angeboten, vom Frosch zum Essen bis zur Gucci-Tasche. Kein Wunsch bleibt offen. Die Menschen bewegen sich hauptsächlich mit dem ÖV von Ort zu Ort. Autos sind aber am kommen. Wer Glück hat und in der Staatlichen Lotterie gezogen wird, darf sich ein Auto zulegen. Der Verkehr ist flüssig, was auch am Nichteinhalten der Regeln liegt. Somit sind Lichtsignale nur als Empfehlung zu sehen und die Geschwindigkeit innerorts darf auch gerne mal 90 km/h betragen…! Fussgänger sind die Untersten in der Nahrungskette. Um eine Strasse zu überqueren muss man sich Fahrbahn um Fahrbahn vorwärts bewegen (kämpfen). Dies ist anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, aber man gewöhnt sich schnell daran… leider zu schnell wie ich später in Nord Korea bemerken muss.

 

Am Mittag gingen wir wieder in ein gehobenes Restaurant (mit Bildern) essen. Zu unserem Schrecken bestellten wir wieder das fast genau gleiche Essen wie am Vorabend: Kalte Nudeln & Suppe… Wir scheinen kulinarisch vom Pech verfolgt zu sein. Am Abend hatten wir aber mal Glück mit dem Essen und es wurde dank Übersetzungs-App von Microsoft auch das richtige bestellt. Google und Facebook sind leider gesperrt in China und nur mit einem VPN erreichbar.

 

Am Dienstag, 13. September stand das Dragons Gate auf dem Programm. Mit dem Taxi ging es Richtung Süden um mit der Gondelbahn (Schweizer Erzeugnis) auf den Hausberg von Kunming zu gelangen. Das Wetter war gut und die Sicht eigentlich auch, wenn da nur nicht der Smog wäre welcher doch ein wenig den Weitblick trübte. Oben angekommen fanden wir uns in einer Art Freilichtmuseum wieder (es sollte nicht das letzte sein). Wir mussten Eintritt zu dem Gebiet zahlen, wo sich das Dragons Gate befindet. Zur Erklärung: Das Dragons Gate ist ein Buddhistischer Tempel/Schrein, welcher in den Berg gehauen wurde von dem man eine super Sicht auf Kunming und Umgebung hat… sofern der Smog mitspielt. Im Innern des Parks konnte man wählen zwischen Sessellift oder zu Fuss gehen. Natürlich musste alles separat bezahlt werden. Pauschalpreise gibt es nicht in China. Beim Dragons Gate angekommen wurden wir neben sehr vielen Touristen auch mit einer sehr schönen Sicht belohnt. Der Rückweg wurde dann zu Fuss angetreten, was sicher 3 Stunden in Anspruch nahm. Dafür kamen wir aber an einem Gemüse- und Fleischmarkt vorbei, welcher für westliche Verhältnisse sehr gewöhnungsbedürftig war. Neben den katastrophalen Bedingungen für die Tiere wurden die Gänse auch gleich noch lebendig gerupft!

 

Das Restaurant am Abend war dann wieder ein Reinfall. Nach langer erfolgloser Suche kehrten wir in das so ziemlich einzige Restaurant ein, welches wir fanden. Da es weder Bilder noch Speisekarte gab, schlug mir die Kellnerin vor, in die Küche mitzukommen. Ich dachte mir ich könne das Fleisch und Gemüse sehen und dann auswählen. Naja eigentlich war es auch so. Nur zu meiner Überraschung waren die Tiere noch am Leben. In der Küche war somit ein kleiner Zoo mit Hühnern, Hasen, Fröschen, Fischen und was sonst noch so gegessen wird. Eine lebendige Kuh habe ich nicht entdeckt, worauf ich mich für das Huhn mit dem schönen braunen Federn entschied. Zu unserem Leidwesen (vom Leidwesen des Huhns mal abgesehen) war es ein Restaurant, welches nur Hot Pots anbot! "Scheisse“ dachten wir, aber aus Respekt, dass ich gerade ein Huhn in Kochtopf geschickt habe, assen wir brav auf.

 

Am Mittwoch 14. September fuhren wir mit dem Bus zum Stoneforest(UNESCO Weltkulturerbe). Dies ist ein Steinplateau, in welches das Wasser über Jahrtausende tiefe Furchen und Gänge geschliffen hatte. Wer mal in der Nähe ist, sollte sich das unbedingt ansehen es ist sehr eindrücklich. Zudem kann hier auch etwas über Marketing und Upseling gelernt werden: Man baut 500 Meter vor dem alten Eingang für den Stoneforest einen neuen auf und richte eine Busverbindung ein. Auf einem Plakat wird dann der Weg mit 3 Kilometer angegeben und schon hat man ein Zusatzverkauf mehr.

 

Auf dem Rückweg gerieten wir in einen Stau (Grund war nicht ersichtlich). Jedenfalls sassen wir ca. 1 1/2 Stunden ohne einen Meter weiterzukommen auf der Autobahn fest bei ca. 33 Grad. Jeder Autofahrer und alle im Car begaben sich auf die Strasse um sich ein wenig Schatten zu suchen oder ihr Geschäft zu verrichten. Auch wurde der Zwischenhalt von vielen Autofahren genutzt um das Auto auszumisten und allen Abfall über die Böschung zu werfen, als wäre es das Normalste der Welt.

 

Reisterrassen von Yunnan

 

Am nächsten Morgen trafen wir Julia, unsere Reiseleiterin für die nächsten drei Tage, um die Fahrt in den Süden anzutreten. Wir hatten eine dreitägige Tour zu den Reisterrassen gebucht, welche wie der Stoneforest zum UNESCO Weltkulturerbe gehören. Mit einem Ford Focus fuhren wir ca. 5 Stunden zu unserem ersten Ziel: Jianshui. Dort wurde der zweitgrösste Konfuzius Tempel besichtigt und auch das Anwesen einer ehemals reichen Familie, welche durch den Opiumhandel reich wurde. Alles in allem eine schöne Stadt, aber aufgrund des Full-Moon Fests war die Stadt relativ leer. Am Abend wurde nach einer Möglichkeit gesucht, um noch was zu trinken nach dem Essen in einem Muslimischen Restaurant. Leider fanden wir keine Vergnügungsmeile, weshalb wir es uns mit einer Flasche Wein im Zimmer bequem machten welchen wir aus Reisschalen tranken. Im Fernsehen lief Chinas Next Superstar.

 

Am nächsten Morgen wurde nochmals ein kleiner Rundgang durch die Stadt gemacht, wo wir von unserer Reiseleiterin (Julia) erfuhren, dass sie sich nebenbei um herrenlose Hunde kümmert und diese aufpäppelt. Ausserdem versprachen wir ihr, hier im Blog zu schreiben, dass niemand an dieses Hunde-Essfestival im Süden Chinas gehen soll, es sei verabscheuungswürdig (allgemein ist die Tierhaltung fragwürdig). Nachdem dann ihre Tränen getrocknet waren, fuhren wir weiter Richtung Süden. Die Strassen wurden schlechter und das Klima tropischer. Etwa 50 Kilometer vor der Grenze zu Laos fuhren wir alles den Berg rauf zu den Reisterrassen auf ca. 2000 Meter.Das Auto musste viele Tiefschläge einstecken, was nicht nur dem jungen Fahrer wehtat sondern auch uns. Immer wieder waren Gegenstände auf der Strasse, was das Kreuzen mit anderen "Fahrgeräten" erschwerte. Auf den Reisterrassen angekommen waren wir sehr fasziniert vom Anblick! Auch dies ist jedem Chinabesucher zu empfehlen. Es war alles grün und in Verbindung mit der Sonne welche das Wasser reflektiert einfach herrlich. Da wir noch den Sonnenuntergang abwarten wollten, war bei einem Bier noch Zeit für ein tiefgründiges Gespräch mit Julia. Irgendwie sind wir auf das Thema Kirche gekommen worauf ich dann gesagt habe, dass ich jeden Sonntag in die Kirche gehe. Leider wurde das von Julia nicht so ironisch aufgefasst wie von mir gemeint. Somit drehte sich alles um den Glauben. Es stellte sich raus, dass Julia sehr gläubig ist und es relativ schwer ist, seinen Glauben frei zu leben in China. Sie erzählte uns noch viele andere persönliche Dinge, welche ich hier aber aus Respekt weglasse. Jedenfalls endete es in einem gemeinsamen Gebet (!!!!) hoch oben über den Reisterrassen. Der Sonnenuntergang wurde hierbei irgendwie zur Nebensache und ich sollte meine ironische Redensart überdenken.

 

Nachdem die Sonne unten war machten wir uns auf zum Abendessen, irgendwo in der Pampas gleich neben dem Ende der Welt. Zum Hostel mussten wir dann noch ein kurzes Stück durch ein kleines Dorf vorbei an Wasserläufen und Wasserbüffeln gehen. Im Hostel angekommen trugen dann zwei ca. 75jährig, 1.50m grosse Frauen unser 20 Kilogepäck auf dem Rücken in den dritten Stock ins Zimmer, was auch gewöhnungsbedürftig war.

 

Der nächste Morgen war nebelverhangen und die Sicht daher eingeschränkt. Noch vor dem Morgenessen gingen wir zusammen mit Julia raus auf die Reisfelder um sie von Nahem zu sehen. Auf dem Rückweg machten wir bei einer Grossmutter halt, welche ihre drei Enkelkinder alleine aufzog, da die Eltern weg oder tot waren… so genau wissen wir das nicht. Die Familie lebt extrem einfach und ärmlich in einem Raum mit einer Feuerstelle in der Mitte. Wir kamen uns schäbig vor, so während dem Morgenessen einfach in ihr Zimmer zu treten und Fotos zu machen. Julia war das zweite Mal hier bei der Familie und kannte sie auch nicht wirklich gut; sie hatte beim letzten Besuch die grössere Tochter (10 Jahre) kennengerlernt. Aus dem Gespräch erfuhren wir, dass die Grossmutter nicht mehr lange leben wird und die älteste Tochter dann für ihre beiden noch kleineren Brüder schauen muss. Das ging selbst mir nahe, wo ich doch sonst in solchen Dingen eher kühl bin. Auch der Umstand, dass der kleinste im Bunde nicht zur Schule gehen kann, weil sich die Familie keine Geburtsurkunde leisten kann (ca. 250 CHF), ging uns nah. Julia hat sich die Adresse geben lassen und hier werde ich, wenn ich zurück in der Schweiz bin, sicher mal nachfragen was daraus geworden ist und auch unterstützen.

Nach dem emotionalen Besuch ging es zu einem weiteren Aussichtspunkt auf die Reisfelder. Aber wie schon geschrieben war das Wetter leider mässig regnerisch, weswegen wir uns vorbei am Ursprung des Mekongrivers Richtung Flughafen in Kunming machten. Der Weg runter war nach denn Regenfällen in der Nacht noch unpassierbarer geworden. Überall waren Erdrutsche auf der Strasse, welche teilweise erst mit einem Bagger geräumt werden mussten. Der Vorteil war, es füllte die Schlaglöcher wieder mit Erde auf. Nach siebenstündiger Fahrt und ein wenig Bangen, ob wir es rechtzeitig zum Flughafen schaffen würden, waren wir gegen 20 Uhr am Flughafen und hatten nur noch 30 Minuten spatzig. Der Flug verlief problemlos (auch ohne Handy) und wir landeten gut in Chongquing, der grössten Stadt der Welt (35 Millionen Einwohner).